BOCKBIER: Bock und Doppelbock

Clarissa Omiecienski

Bock & Doppelbock sind ein Bier für dich, wenn….

  • du gern ein Bier mit vielen Umdrehungen trinkst
  • einen Nahrungsmittelersatz suchst
  • keine bitteren, aber brotige und malzige Biere magst!

Die Geschichte des Bockbieres

Denkt man an Bockbier, denkt man an Maibaum-Aufstellen, an Lederhosen und den Nockherberg. Kurzum: Den Bock würde man so landläufig ohne viel darüber nachzudenken in Bayern verorten. Allerdings, wer hätt’s gedacht (!) : Ursprünglich sind Bockbiere norddeutsche Biere. Und haben so gar nichts mit Hufen und Hörnern und dammischen Böcken zu tun. Ursprünglich wurde das Bockbier nämlich auch noch korrekt  „Einbecker Bier“ genannt und war das Bier der Stadt Einbeck in Niedersachsen. Ein gutes, teures und vor allem lange haltbares Bier. Die Namen Bock & Doppelbock entstanden dann aber – ach, da san’s doch, die Hammel – aus dem bayrischen Dialekt, in dem aus dem Einbecker Bier ein „Ainpöckisch Bier“ wurde, verkürzt zu „Ainpöck“ und schließlich zu “ ein Bock“, zum Bockbier also.

In der Zeit der Hanse besaß das Einbecker Bier einen wichtigen Handelswert. Felle, Gold und Silber, Gewürze und so weiter mussten ja schließlich irgendwie bezahlt werden. So kam 1553 die erste Ladung Einbecker auf dem Landweg nach München. Das erfreute die bayrischen Herzöge sehr, denn zu leckerem Bier sagt niemand Nein – tatsächlich wurde soviel von dem norddeutschen Gebräu getrunken und folglich dafür ausgegeben, dass sich dies in der Staatskasse bemerkbar machte. Da wurde es Herzog Wilhelm V von Wittelsbach zu bunt, und so wies er seinen Braumeister Heimeran Pongratz an, ein neues Brauhaus zu entwerfen, um die Dolly des Einbecker Biers herzustellen. Man wollte das gute Bier einfach klonen, jawohl. Die Brauerei wurde im Herzen von München gebaut – da wo heute das  berühmte Hofbräuhaus seht. Braumeister Pongratz braute hier nun seine Einbecker Bier-Imitation. Durch die verfügbaren und verwendeten Zutaten mutierte das Bier von einem Ale zu einem Lager. Der bayrische Bock – zumindest in seiner frühen Form – war also geboren.

Bockbier

Bock geht nicht so gut aus der Flasche. (Foto: NAK)

Die Entführung des Brauers

Selbstverständlich war das Bockbier anfänglich nur für den Herzog und sein adeliges Gefolge bestimmt. – Doch ab 1610 ließ Wilhelm V das selbstgemachte Einbecker an die Gasthäuser seines Reiches liefern und verkaufen. Schlau gemacht, denn so konnte der Herzog mit dem Bierkonsum seiner Untertanen auch noch Geld verdienen. Maximilian I ging sogar noch weiter und lockte den Einbecker Braumeister Elias Pichler nach München, um die bayrische Einbecker-Imitation noch originalgetreuer brauen zu lassen. – Manche sagen auch, er haben das Nordlicht schlicht entführt und nach Bayern verschleppt. Aber sei’s drum.

Bockbier & Doppelbock

Der Bock ist sozusagen die Grundlage für jegliche Art von Bockbier. In der Regel hat der Bock eine Stammwürze von ungefähr 16 Grad Plato und einen Alkoholgehalt von 6%.

Der Doppelbock, manchmal auch Fastenbock genannt, ist das stärkste Bier unter den Bockbieren. Mit einer Stammwürze von ca. 18 Grad Plato und einem Alkoholgehalt von 7-10% nicht im eigentlichen Sinne „doppelt“ aber so stark, wie es brautechnisch möglich ist. Auch als „flüssiges Brot“ der Mönche und Nonnen bezeichnet, diente der Doppelbock als Nahrungsmittelersatz für die Fastenzeit. Nach und nach begannen die Klöster, nicht nur Bier für den Eigenbedarf sondern für die kommerzielle Nutzung zu brauen. Der Orden der Paulaner-Mönche braute und verkaufte sein Bier als Erstes und so wurde der Doppelbock auch zum Getränk für die normale Bevölkerung.  Ihr Salvator, zu deutsch „der Retter“, wurde zum Namensbeispiel für alle nachfolgenden Doppelbockbiere. Doppelbocknamen beinhalten bis heute die Endung -ator.

Extrasuperbesonders: Der Eisbock

In diesem Zusammenhang wäre  auch der Eisbock zu erwähnen. Ein Eisbock ist eigentlich ein Doppelbock, der so stark heruntergekühlt ist, dass der Großteil des Bieres zu einer halbgefrorenen Masse wird. Die Flüssigkeit die dann abgelassen wird enthält eine höhere Konzentration an Alkohol und bildet den starken Eisbock.

Bockbier

Nach dem erfolgreichen Maibaumaufstellen, kann man mit einem Maibock gut anstoßen. (Foto: StP)

Verschiedenen Bockbiere über das Jahr

Bockbierzeit ist in Bayern von November bis Mai. Wenn die Biergartenzeit und auch das Oktoberfest vorbei sind, dann beginnt die Bockbier-Saison. Dunkelbock, Festbock (Weihnachtsbock), Doppelbock und Maibock (auch Frühlingsbock oder Heller Bock genannt) – so lautet der reguläre Bockzirkel. Die verschiedenen Bockbiere variieren je nach Bockart in ihrer Farbe, Malzigkeit und natürlich in ihrer Stärke. Es gibt außerdem eine Vielzahl weiterer verschiedener Bezeichnungen und Sorten, die der Vollständigkeit halber aufgezählt werden sollen: Texas Bock, Ur-Bock, Weizenbock & Weizendoppelbock oder Weizeneisbock und Winterbock ergänzen die ohnehin schon lange Liste und sorgen dafür, dass für jeden Bockbierliebhaber der richtig Geschmack dabei ist.

Bockbier Bierstil Guide

 Aussehen: je nach Bock-Art: bernsteinfarben und heller (Maibock)
Alkohol: mindestens 6% bis 14%
Geruch: malzig, teilweise auch Karamel- und Dörrobstaromen
Geschmack: süßlicher, sehr malziger und brotiger Geschmack mit ganz dezenter Hopfennote, daher sehr wenig bitter.
Körper: samtiges, volles Bier, dickflüssiger

Empfehlenswerte Bockbiere

Floriani Bock. Dunkler Doppelbock aus der Privatbrauerei Krieger in Landau. Manchmal muss der Brauer selbst schnell in den Getränkemarkt fahren, einen letzten Kasten sichern – so schnell ist dieser wärmende Bock jedes Jahr wieder aus der Brauerei verschwunden.

Sanders Böcke: Braumeister Uli Sander von der Braumanufaktur Sander in Worms hat eine kleine Bockserie, mit Maibock, Pilsbock und einem Rauchbock. Streng limitiert, aber alle probierenswert!

Saphir Bock. Schönramer Landbrauerei. Könnte man, wenn man wollte, als eines der ersten Craft Biere Deutschlands bezeichnen. Will der Braumeister Eric Toft aber nicht. Egal: Toller, heller Bock!