jimmy carbone

Wie man eine verdammt gute Craft Beer Bar macht

Jimmy Carbone

Jimmy Carbone betreibt mit Jimmy’s No.43 eine der besten Craft Beer Bars in New York City. Und er hätte da ein paar Tipps.   

Den Laden, der heute Jimmy’s No. 43 ist, habe ich vor neun Jahren gefunden. Mittelgroßes Ding im East Village. Und es gab nur eine Bier-Lizenz dafür. Das heißt, Wein durfte man da anfangs nicht ausschenken. Klar habe ich da erst einmal gezögert.

Ich meine, das war zwar die Zeit, in der Craft Beer in New York  Thema wurde. Mit Sixpoint eröffnete da gerade eine neue, original New Yorker Brauerei. Trotzdem war das für mich, einen Mann aus einer sehr italienischen Familie schon ein großer Schritt. Im meinem vorherigen Restaurant habe ich vornehmlich Pasta gekocht und Wein serviert!

Andererseits: Es gab damals genau eine „German Beerhall“ in New York, das „Zum Schneider“. Und Bars, die sich beer-only getraut haben, vielleicht eine Hand voll. Eine weitere, richtig gute gemacht Bierbar kann diese Stadt schon vertragen, dachte ich. Zumal New York auf eine recht starke Biertradition zurückschauen kann.

Also habe ich Jimmy’s No. 43 eröffnet. Zuerst habe ich fast nur Klassiker ausgeschenkt und Biere, die mir selber am besten schmeckten, Chimay und Schneiders „Aventinus“ zum Beispiel. Dann habe ich die ersten amerikanischen Craft Beers aufgenommen und gemerkt, dass die richtig gut gingen. Mittlerweile gibt es so viele hervorragende Craft Breweries in und um New York, dass ich überwiegend lokales Bier verkaufe. Pilsener und Lager sind zur Zeit sehr gefragt. Da habe ich ein Evil Pils von Firestone in Kalifornien am Hahn. Und ein Bell’s Lager aus Michigan. Mengenmäßig ist und bleibt aber das IPA der Topseller.

Craft Beer Bar Jimmy's No.43 in der East 7th St. zwischen 2nd und 3rd Ave.

Die Craft Beer Bar Jimmy’s No.43 in der East 7th St. zwischen 2nd und 3rd Ave. im East Village, Manhattan. Der Chef mag das schöne deutsche Wort „Gemütlichkeit“ – und was es heißt. (Fotos: Stefan Peters)

Es gibt ja Leute, die sagen, man müsse sich als Barbetreiber einen Schwerpunkt suchen, vor allem belgisches oder deutsches oder englisches Bier ausschenken. Ich sehe das anders. Nicht umsonst heißt es doch „Craft Beer Nation“. Landesgrenzen spielen beim Craft Beer überhaupt keine Rolle. Inzwischen gibt es überall ein paar Brauer, die verdammt gutes Craft Beer machen. Ich würde deshalb sagen: Fangt mit einer guten Mischung an Bierstilen an. Ein paar anständige Pils, Lager, IPAs, aber auch zwei, drei Sauerbiere, belgische Stile, ein Bock vielleicht.

Das braucht die gute Craft Beer Bar

Das ist, was die Leute beim Craft Beer wollen: Auswahl. Und Überraschung. Sie wollen neue und alte Stile probieren. Tasting Trays zum fairen Preis sind deshalb eine gute Idee. Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, auf meine Kunden zu hören. Hier in New York spinnen sie zur Zeit alle total auf Gose, also habe ich nach einer New Yorker Brauerei gesucht, die gute Gose macht.

Das Einzige, was wirklich niemand will, sind Cask Ales. Im Erst: Da wird zur Zeit viel drüber gequatscht und geschrieben, aber wirklich trinken tut es am Ende doch keiner. Das kann man sich als Barmann schenken.

Und noch drei Sachen, die eine gute Craft Beer Bar ausmachen: Erstens, der Mann (oder die Frau) hinter dem Tresen, natürlich. Er oder sie muss nicht der beste Bier-Experte sein, gar nicht. Der Bartender muss in erster Linie einfach nett sein. Service ist alles. Was die Leute wissen sollen, steht in der Karte, der Keller ist da um zu bedienen, nicht zu belehren.

Zweitens: Serviert Essen! Ich bin der festen Überzeugung, dass Essen jede Bar geselliger macht. Stichwort: „Gemütlichkeit“. Kennt ihr Deutschen doch. Und Essen macht die Leute zivilisierter. Wo es zumindest ein paar Potatoe Wedges und einen guten Burger gibt, wird weniger geschlägert,davon bin ich überzeugt.

Ich arbeite mit einem Metzger aus Eastern New York, der mir Fleisch und Würste liefert und kaufe auf diversen Ökomärkten in der Gegen hier ein, um solides, saisonales und regionales Essen zu machen, Stews, Ragouts, Gemüse mit Schweinespeck (Speck ist generell ein wichtiger Bestandteil meiner Küche) oder auch mal ganz herzhafte Sachen wie Grünkohl mit Getreide und Entenbrust. Und nicht vergessen: Ein paar vegetarische Gerichte müssen auch sein.

Damit lockt man nämlich Mädels in die Bar und das ist der dritte Punkt: Schaut zu, dass ein ausgewogene Mann-Frau-Verhältnis herrscht, dann fühlen sich alle Gäste wohler. Außerdem sind Mädels die bessere Kundschaft. Sie sind nämlich viel wählerischer und ihnen Bier zu empfehlen macht noch viel mehr Spaß.

 

Craft Beer Bar New York

Guter Rat unter Craft Beer Freunden: Ein Gast in Jimmy’s No.43 empfiehlt von Herzen auch diese New Yorker Craft Beer Bars auszuprobieren: Das „Blind Tiger“ in der Bleecker Street sei „excellent“ (http://www.blindtigeralehouse.com/). Außerdem: – Rattle’n’Hum‘ – Gingerman – The Jeffrey – BXL Cafe East – Resto (Foto: NAK)