Liebe zum Bier

Kurz gezwickelt: Aus Liebe zum Bier

Nina Anika Klotz

Wenn der Brauer zwickelt, dann probiert er sein junges Bier. Wenn wir zwickeln, stellen wir in aller Kürze ein paar der neusten Craft Beer Startups vor. News frisch aus dem Reifetank, so zu sagen.

 

 Sätze, die ich in drei Jahren Biergesprächen trölfzigtausend Mal gehört habe:
Q: „Erzähl mal: Wie bist du zum Bier gekommen?“
A.: „Hm, also erstmal: Ich trinke gerne Bier.“
Und jedes Mal denke ich: Ja, macht total Sinn.

Bier gern zu trinken ist die Grundvoraussetzung. Die Grundvoraussetzung dafür, sich intensiv mit Bier zu beschäftigen und wenn man plant, Bier zu seinem Business zu machen. Deshalb finde ich die Aussage „ich trink’s halt gerne“ auch kein Stück „ja, mei“ sondern einleuchtend und gut.

Liebe zum Bier

Two Fellas: Mike Moineau und Rob Faber aus Berlin. (Foto: NAK)

 

Two bärtige Fellas aus Berlin

Mike Moineau geht sogar noch einen Schritt weiter. Er trinkt nicht nur einfach gerne Bier, er mag auch, wie und warum wir Bier trinken: „Bier bringt Menschen zusammen. Wir treffen Freunde beim Bier, mit einem Bier in der Hand feiern wir unsere Erfolge, wir stoßen mit Bier auf unser Wohlsein an. Und nach einem langen, anstrengenden Tag entspannen wir uns mit einem Bier.“ Bier ist gut und wichtig, irgendwie. „Ich empfinde es als eine Ehre, mit unserem Bier ein kleines Stück zu diesen wertvollen Momenten des Lebens beitragen zu können.“

Unser Bier, das sind die Biere aus der Two Fellas Brewery. Frisch auf dem Markt ist „Basecamp“, eine knackig sauer-salzige Gose mit Himalaya Salz. Im Sommer soll ein Blutorangen Wit, ein „Tropical Pale Ale“, ein Red Ale dazukommen – und ein American Wheat mit Hüll Melon. „Der gibt dem Bier ein Erdbeer-Aroma, Honigmelone und Candy“, sagt Mike. „Wir dachten, es passt ganz gut, wenn two american fellas, die den deutschen Biermarkt entern, das mit einem amerikanischen Bier tun, das sie mit deutschem Hopfen brauen.“

Die beiden Jungs sind aus Liebe nach Deutschland gekommen, Mike Moineau kam wegen seiner deutschen Frau 2005 aus Detroit nach Berlin, Rob Faber ging 2014 aus Milwaukee, Wisconsin, mit, als seine Frau einen Job hier bekam. Auch Rob kam übers gerne-Bier-trinken zum Bier, fing aber auch früh an, selbst hobbymäßig zu brauen. Letztes Jahr gründeten die beiden zusammen eine Firma und fanden nach einigem hin und her einen Ort, an dem sie professionell Brauen können: in der Küche des Castle Pub in Berlin-Wedding. „Die mag zwar nicht die Größe und Kapazität eine großen Brauerei haben, aber es riecht, klingt und fühlt sich dort ganz genau so an wie in einer“, sagt Mike. Aktuell brauen die beiden Fellas ein bis zwei Mal pro Woche, das dürfte allerdings in den nächsten Monaten mehr werden. Ziel für 2016 ist es, Two Fellas Biere in diversen Berliner Craft Beer Bars an den Hahn zu bringen. Bis dahin hat der Castle Pub fast immer ein Two Fellas auf der Karte.

Liebe zum Bier

Florian Heinze (l.) und Bartel Ruff (r.), zusammen Das Fugbaum aus Kiel. (Foto: Fugbaum)

 

 Zahnärzte für besseres Bier an der Förde

Florian Heinze trinkt gerne Wasser. Hä? Wasser? Irgendwie – ja.  „Die Lust, mein eigenes Bier zu brauen, kam 2011 bei einer Transatlantikregatta, bei der wir unser Trinkwasser aus einer Seewasserentsalzungsanlage an Bord bezogen. Die Vorstellung daraus Bier zu brauen fand ich großartig“, erzählt er. Ach so. Er tränke also eigentlich auch lieber Bier als Wasser, nur ist Bier mitten auf dem Meer eben nicht so ohne weiteres verfügbar. Zurück an Land verfolgte der Kieler seine Idee weiter – ohne Atlantikwasser, dafür aber mit einem Freund und Kommilitonen aus dem Zahnmedizinstudium, dem Bartel. Der trinkt auch gerne Bier und fing mit Florian zusammen 2012 unter dem Namen „Fugbaum“ zu brauen. „Da das Ergebnis deutlich besser war, als wir erwartet hatten, und wir zudem eine Menge Spaß hatten, blieben wir dabei.“ Jetzt, vier Jahre später, wird aus Spaß ernst und Fugbaum-Bier geht in den Verkauf. Gesetzt sind schon mal drei Sorten: ein kaltgehopftes Lager, das „Förde Coffee Stout“ und ein Ingwer Lager.

„Das Fugbaum“, heißt es, sagt Florian. Dahinter stecken drei Zentner Lokalpatriotismus und ein bisschen Crazyness. „Der Name führt auf eine Kieler Straßen-Gang aus den 80er und 90er-Jahren zurück, die ‚Kieler Kneipenterroristen‘ und eine TV-Doku über deren Treiben. Einer der Herren hat ein nettes Haustier, eine Vogelspinne, die er Herr Fugbaum genannt hat.“

Liebe zum Bier

Jens Block, Jakob Meissner, Jens Hinrichs, Martin Szymanski – zusammen Big River Isle (Foto: Big River Isle)

 

Hamburger Freunde machen bierernst

Jens, Jens, Jakob und Martin trinken gern zusammen Bier. Manchmal auch jeder für sich. Aber lieber zusammen. Und genauso brauen sie auch schon seit geraumer Zeit zusammen Bier. Meistens bei Jakob im Keller und auf der Terrasse. Läuft gut, geht aber noch besser: „Wir wollen unsere Leidenschaft gemeinsam professionalisieren und haben uns entschlossen eine Location in Wilhelmsburg zu mieten“, erklärt einer der beiden Jens, Jens Hinrichs. Aus dieser Location machen sie nun gerade eine Brauerei mit dem schönen Namen Big River Isle. Bezieht sich auf die Lage: Wilhelmsburg. Größte Elbinsel. Gehört zu Hamburg.

Natürlich, Brauereibau ist kein Spaziergang. „Wir sind grade dabei den Bauantrag für die Umnutzung zu erstellen“, sagt Jens. Anfangen werden sie mit einer 2-Hl-Anlage, mittelfristig soll auf 5 Hl ausgeweitet werden. Bis das alles durch ist machen die Vier sich Gedanken über ihre künftigen Biere und reichlich Testsude. „Wir haben vor, eine Vielzahl an verschiedenen Bierstilen zu brauen und unter die Leute zu bringen“, so Jens. „Dabei fangen wir mit einer Reihe von IPAs an.“

Keine schlechte Idee. Denn „Ich trink einfach gerne IPAs“ höre ich fast so oft wie: „Ich mag halt Bier“.