Kurz gezwickelt: Neues aus München

Claudia Doyle

Wenn der Brauer zwickelt, dann probiert er sein junges Bier. Wenn wir zwickeln, stellen wir in aller Kürze ein paar der neusten Craft Beer Startups vor. News frisch aus dem Reifetank, so zu sagen. Heute nehmen wir euch mit in den Süden der Republik und stellen euch drei neue Brauereien in München vor. Vorhang auf für Amperbräu, Wolfscraft und Hopfenhacker.

Amperbräu: Gypsy-Brewing, aber anders

Im Landkreis Dachau im Norden von München steht eine Wanderbrauanlage. Also genauer gesagt steht sie nicht, sie wandert. Im Kofferraum von A nach B. Die Jungs von Amperbräu haben das Prinzip des Gypsy-Brauens nämlich einfach ein bisschen auf den Kopf gestellt. Wenn der Brauer nicht zur Anlage kommen kann, muss die Anlage zum Brauer kommen.

2010 kauften Matthias Bachhuber, Thomas Böswirth, Andreas Eberl, Daniel Gall und Michael Schmid eine 50 Liter Heimbrauanlage. Auf der durfte jeder brauen, was er wollte und wenn der Sud fertig war, wurde die Anlage zusammengepackt und der nächste war dran.

„Aber 50 Liter sind natürlich eine ganz schöne Hausnummer, wenn man das nur alleine trinkt“, erzählt Matthias Bachhuber. Da also niemand das auf Dauer alleine bewältigen konnte, luden sie 2011 alle ihre Freunde und Bekannten zu einem Bierfest ein. Es sollte nicht das letzte bleiben.

Nach ein paar Jahren erfolgreicher Bierfeste dämmerte ihnen, dass sie jetzt doch vielleicht mal ein wenig größer denken sollten. Zehn Monate lang telefonierte Matthias Bachhuber daraufhin mit Brauereien und fragte, ob sie, fünf sympathische Dachauer Jungs, nicht vielleicht mal einen Sud brauen dürften.

Durften sie nicht.

neue Brauereien in München

Würden Sie diese Männer bei sich brauen lassen? (Foto: Amperbräu)

Niemand wollte die Truppe, von denen kein einziger Brauer gelernt oder studiert hatte, an seine Kessel lassen. Aber irgendwann sagte Zombräu aus Mirskofen zu. Und so braute Amperbräu im Frühling 2016 etwa 800 Liter von dem Bierstil, auf den sich alle einigen konnten: ein Münchner Helles. Und das ging weg wie, naja, wie ein Helles in München halt weggeht. Verdammt schnell. Seit Herbst 2016 brauen sie auf einer größeren Anlage der Brauerei Eittinger in Freising.

Und weil Helles nicht alles ist und die Wanderbrauanlage schon viel kreativere Sude gesehen hat, soll bald ein zweites Bier folgen.

neue Brauereien in München

An der Amper (vermutlich): ein Fläschchen Amperbräu. (Foto: Amperbräu)

Wolfscraft: Zeigt doch mal Zähne!

Das deutsche Bier ist brav wie ein Schaf. Die einzelnen Sorten ähneln einander so sehr wie die weißen Wollknäule auf der Weide. Dabei sollte Bier doch rebellisch sein wie ein Wolf, widerspenstig und eigensinnig. Das ist so grob zusammengefasst also die Philosophie von Wolfscraft, dem Biobier-Brauprojekt von Cemal Cattaneo, Manfred Jus und Christian Wagner.

Ursprünglich wollten sie die typischen Craft-Biere brauen, die man als neuer Craft-Bier-Brauer eben im Sortiment haben sollte: IPA, Pale Ale, Stout. Sie fingen an zu experimentieren, brauten zu Hause verschiedene Sude, entwickelten Rezepte. „Und dann haben wir gemerkt, dass das, was wir hier machen, total bescheuert ist“, sagt Cemal. „Wir imitieren Bierstile aus anderen Ländern, obwohl Deutschland doch so eine verdammt coole Bierkultur hat.“

Cemal muss es wissen. Er ist in Italien geboren und in der Schweiz aufgewachsen und blickt darum quasi von außen auf die deutsche Bierlandschaft.

Also nochmal auf Anfang. Die neue Idee: Klassisch-deutsche Bierstile wie Helles, Pils und Lager neu auflegen. Wieder zurück an die Heimbrauanlage. Bis zu zwanzig Sude brauten sie von einem Bier bis sie das perfekte Rezept gefunden hatten. „Wir gehen das sehr wissenschaftlich an“, sagt Cemal Cattaneo.

Im großen Stile gebraut wird in der Schloßbrauerei Stein in der Nähe des Chiemsee. In Bio-Qualität, übrigens. Hier hat Wolfscraft einen traditionellen Brauer gefunden, der offen war für ihre Ideen. „Er hat nicht gleich Freudensprünge gemacht, als wir gesagt haben, wir wollen ein Helles mit exotischen Fruchtaromen“, sagt Cattaneo. „Mittlerweile ist er aber begeistert.“

neue Brauereien in München

Neue Biere, altbekannte Stile: Wolfscraft. (Foto: PR)

Hopfenhacker: In normal und nicht so normal erhältlich

Die Leute mit bekannten Sorten abzuholen und so langsam für das Thema Craft Bier zu begeistern, das ist auch die Strategie von Hopfenhacker. Sprich: Hopfenhäcker, also wie ein Computer-Hacker bloß eben mit Bier.

Dahinter steckt Werner Schuegraf. Er ist gelernter Braumeister und hat so ziemlich alle Stationen durch, die man als Braumeister durchmachen kann. Selber gebraut hat er, logo. Anlagen verkauft auch, 15 Jahre lang. Auf eine eigene Brauerei hatte er schon Lust. Aber der notwendige Stups von außen kam erst 2013 als er auf einer Biermesse dem jungen amerikanischen Homebrewer Matt Riggs über den Weg läuft.

Gemeinsam tüfteln sie an Rezepten. Matt sprudelt über vor verrückten Ideen. Werner hat lange genug an großen Braukesseln gestanden, um zu wissen, wie man sie umsetzt. 2014 brauen sie erstmals gemeinsam in Neuried Bier.

Inzwischen ist Matt wieder in den USA, Werner Schuegraf hat eine eigene Brauerei und bisher sechs Biere im Angebot. Die teilt er in zwei Gruppen ein. Da gibt es einmal die normalverträglichen Biere. Kaltgehopftes Münchner Märzen, Lager und Weißbier, kaltgestopft mit Hanfblüten. Alles Bierstile, die der gemeine Münchner schon kennt.

Und wenn seine Kunden sich damit angefreundet haben, dann empfiehlt er ihnen seine besonderen Biere. Ein India Pale Lager, ein Weißbier nach Wit-Bier-Tradition gebraut, und ein Imperial Red Ale. „Die Freakbiere fehlen noch“, sagt Schuegraft. Soll heißen, es sind noch drei weitere Biere in Arbeit, die das Sortiment ergänzen sollen. Ein Sauerbier könnte er sich gut vorstellen oder ein Smoked Porter.

Die Hopfenhacker-Brauerei steht in einem Hinterhof in Haidhausen. Für alle Nicht-Münchner: Beste Lage, traumhafte Nachbarschaft, Laufkundschaft garantiert. Und: Direkt davor das Meisterstück, als neue Haidhausener Bier-Destination. Beim wöchentlichen Hofverkauf kommt man gut mit der Kundschaft ins Gespräch. Klar, vor allem das Helle und das Märzen sind sehr gefragt. „Die Leute trauen sich anfangs einfach nicht“, sagt Schuegraf. Aber das wird sich ändern.

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Verschüttet sonst kein Bier: Werner Schuegraf von Hopfenhacker. (Foto: PR)