SCHOPPE BRÄU – Der Bier-Pate von Berlin

Thorsten Schoppe hatte keine Lust in Fabriken zu arbeiten, wo man nie so recht weiß, ob da nun Bier oder Wurst oder was ganz anderes rauskommen wird, weil alles irgendwo in großen Stahlkesseln weggesperrt ist und gründete deshalb seine eigene Brauerei Schoppe Bräu.

Schoppe Bräu

Thorsten Schoppe in seiner Brauerei Schoppe Bräu, Berlin. Da gibt es schon auch Stahltanks, aber hier weiß der Brauer, was drin ist: Craft Beer. (Foto: NAK)

Eigentlich wollte Thorsten Schoppe Lehrer werden. Dann hätte er sich ein Campingmobil gekauft mit Surfbretthalterung auf dem Dach und wäre damit jeden Morgen auf den Lehrerparkplatz gerollt. Nur in den Ferien nicht, da wäre er ans Meer gefahren. Zum Surfen. Sechs Wochen am Stück. Ziemlich geiles Leben. Eigentlich.

Als Thorsten Schoppe aber Abi machte, gab es in Deutschland eine Art Lehrerschwemme. Auf die Idee mit dem geilen Leben waren andere offenbar auch gekommen. Die Zukunftsaussichten im Schuldienst waren eher mäßig. Also hat der Braunschweiger sich beim Arbeitsamt verschiedene Jobprofile angeschaut. Banklehre und BWL-Studium zum Beispiel. Hat er schnell wieder weggelegt. Wirtschaftsingenieur. Mh, geht so. Architekten verdienen ganz gut, las er. Aber: Puh. Und dann fand er eine Mappe, da stand drauf: Diplombraumeister. „Hatte ich noch nie gehört. Aber Bier hatte ich zu dem Zeitpunkt schon mal getrunken. Und ganz gut gefunden“, sagt Thorsten Schoppe und grinst.

Man könnte von einem Berliner Craft Beer-Imperium sprechen – wenn der Schoppe nicht so bescheiden wäre

Es ist ein Mittag im Hochsommer, in der Braugaststätte am Südstern in Berlin-Neukölln ist noch nichts los, alle Fenster sind offen, bisschen Straßenlärm, von irgendwo hinter der Theke brummelt die Brauanlage. Vor ein paar Wochen saß Schoppe genau hier mit James Watt, dem Gründer der schottischen Erfolgsbrauerei n Brew Dog. Sie haben ein bisschen über die Craft Beer-Lage in Deutschland gequatscht. Als vor ein paar Tagen Martin Garay vom Erdinger Ale Project zu Gast war, haben sie zusammen gebraut. Und neulich, die Jungs von der Vagabund-Brauerei: Mit denen hat er hier ein paar Rezepte entwickelt. Und Beer4Wedding. Die brauen ihr ganzes Bier hier. Mit ihm. Sein Handy klingelt, der Chef von BrewBaker ist dran. Thorsten Schoppe managt nämlich nicht nur eine, bald zwei Brauereien, eine Bierbar und ein Restaurant, er ist auch so etwas wie der Craft Beer Pate von Berlin. Oder Deutschland. Der Hopfendon. Eine Instanz in der Szene. Einer, den alle kennen, die meisten bewundern. Aber das hört Schoppe nicht so gern. Und das mit dem Paten… das mag so sein, aber eigentlich gefällt ihm das nicht. Ein bisschen verlegen schaut er auf die Tischplatte. Er würde lieber von „Kollaboration statt Kannibalisierung“ sprechen, sagt er. „Wahrscheinlich bin ich zu weich. Aber ich war nie der Typ, der gegen anderen ankämpfen will.“ Denkt man nicht, so groß, langhaarig und breitschultrig, wie er da sitzt.

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Im Brauhaus am Südstern. (Fotos: NAK)

Eigentlich sieht Thorsten Schoppe eben aus wie ein Surfer. Aber sein Surfbrett verrottet seit Jahren irgendwo in einem Bierlager vor sich hin. Keine Zeit. Natürlich hätte er es leichter haben können, als Angestellter einer großen Brauerei, „schön geregelt, mit Weihnachtsgeld und allem“, wie der 42-Jährige sagt. Mit 30 Urlaubstagen. Aber: „Irgendwie fand ich es in der Industrie nicht so packend. In der Fabrik, wo ich meine Ausbildung gemacht habe, hätte man auch Wurst herstellen können und keiner hätte es gemerkt, weil alles in irgendwelche Tanks verpackt ist und nur Edelstahlleitungen hin und her fließen. Man sitzt den ganzen Tag am Computer, der macht alles, und am Ende hat man nichts gesehen, gerochen oder angefasst.“

IPA ist das all-time favourite bei Schoppe Bräu

Also fing er noch während der Lehre an, Zutaten mit nach Hause zu nehmen und in der eigenen Küche zu experimentieren. Dann zog er nach Berlin, studierte Brauingenieurswesen, braute mit Kommilitonen. 150 verschiedene Biere. Sagt er. Mindestens. Sein ungeschlagener Favorit aber bis heute: hopfenbetonte Sachen. „IPA ist mein persönliches Lieblingsbier aller Zeiten.“ Und: „Ich persönlich hoffe inständig, dass die Sauerbierwelle an uns vorbei geht. Wenn man zwölf Jahre in einer Kleinbrauerei arbeitet, hat man mehr Sauerbier produziert als man je eigentlich wollte. Insofern ist und bleibt das ein Geschmack, den ich tunlichst zu vermeiden versuche.“

Im Moment beschäftigt Thorsten Schoppe sich mit er Eröffnung einer neuen, zweiten Brauerei: Er wird in der Braugaststätte Pfefferberg in Prenzlauer Berg das Bier machen. Spannendes Projekt, sagt er. Schon wegen der Lage. Mehr schicki als Neukölln. Erst mal wird er da eher klassisch brauen, Helles, Dunkel, Weizen. „Sanfter Anfang“ sagt er, grinst. „Aber die werde ich schon nach und nach auf die rechte Schiene bringen.“ Und wildere Sachen brauen. Gern auch wieder mit Brauern aus La Familia.

Der Don ist, wie man sieht, wirklich busy. Und hat deshalb vermutlich auch kaum Zeit nachzudenken, wie langweilig das Leben wäre, wenn er tatsächlich jeden Morgen mit einem Camper auf den Lehrerparkplatz rollen würde.

Schoppe Bräu

Tagwerk: Das also macht der Thorsten Schoppe. IPA, Double IPA, Roggenbier, fassgelagertes Pale Ale (v.l.n.r.; Foto: NAK)

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  • Bekannteste Biere: 
    XPA X-Berg Pale Ale, Black Flag Stout, Holy Shit Ale
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