URBAN MONK – Keine Schulterklopferbiere

Claudia Doyle

Vor etwa einem Jahr haben die Jungs von Urban Monk ihr erstes Craft Beer gebraut. Jetzt tingeln sie schon über alle Craft-Beer-Feste im Land. Aber wer sind eigentlich diese urbanen Mönche? Uns haben sie erzählt, wer sie sind, was sie vorhaben und warum in der Craft-Beer-Szene das Starten einfach, aber das Wachsen schwierig ist.

Die Jungs von Urban Monk fehlen zurzeit auf keinem Craft-Beer-Fest. Wenn sie nicht auf Messen ihre neuesten Biere ausschenken, dann brauen sie in auf den Anlagen der Barfüßer Gasthausbrauerei in Neu-Ulm und Leutkirch ihre Biere.

Vier urbane Mönche sind zurzeit am Start, alle viel im Hauptberuf Barfüßer. Drei Brauer und ein „Mädchen für alles“ namens Nick Teklenburg, unter anderem zuständig für Interviewfragen. Also los.

Urban Monk

Urban Monk Bier in urbanem Setting. (Foto: Urban Monk)

Nick, bist du Brauer?

Nee, was ganz Anderes.

Was denn?

Ich komm aus diesem uninteressanten Bereich Controlling. Aber schreib bloß nicht Controller. Das ist so der Abtörner schlechthin. Besser: Ich habe schon vorher in Brauereien gearbeitet und versteh, wovon ein Brauer redet.

Okay. Nicht Controller. Sondern … Mit-Gründer von Urban Monk. Wie bist du dazu gekommen, dass du dir dachtest: Ich mach hier in Neu-Ulm mal eine Craft-Beer-Brauerei auf?

Ich kenne den Chef der Barfüßer Gasthausbrauerei ganz gut. Barfüßer hat sieben Brauereien an sieben Standorten und braut eher klassische Sorten: Helles, Dunkles, Weißbier und ein Rotgoldpils. Also die Standardbiere. Aber vor zwei Jahren hat der Chef zwei neue, junge Braumeister eingestellt: Korbinian Rau und Daniel Manzer.

Und die haben den Laden dann aufgemischt?

Die kamen frisch von der Meisterschule und waren ziemlich kreativ unterwegs. Wir sind dann zusammen über Craft-Beer-Festivals getingelt und haben beschlossen, dass wir gemeinsam eine eigene Craft-Beer-Linie machen wollen. Aber ohne Schulterklopferbiere.

Ohne was?

Naja, einige Brauer übertreiben es zum Beispiel mit der Bitterkeit. Was da an Hopfen gestopft wird. Da muss man sich hinterher auf die eigene Schulter klopfen, wenn man sich durch ein kleines IPA gekämpft hat. Dabei kann man viel mehr aus Hopfen herausholen als nur Bitterstoffe.

Den Hopfen immer nur zu kochen ist ja auch langweilig. Das wollten wir nicht. Wir wollten, dass man Spaß an unserem Bier hat und auch mal zwei oder drei trinken kann. Und dann haben wir einfach mal drauflos gebraut.

Urban Monk

Da, wo’s schmeckt: Urban Monk Biere im Sonnenschein. (Foto: Urban Monk)

Euer erstes Bier kam im Frühjahr 2016 auf den Markt, das Greenhorn Ale, ein mildes Pale Ale. Habt ihr das in der Gasthausbrauerei verkauft, wo es vorher nur Helles, Dunkles und Weißbier gab?

Ganz genau. Was sollten wir auch sonst machen? Wir hatten jetzt dieses Bier produziert, das uns ziemlich gelungen schien, und mussten das relativ schnell verkaufen.

Und wie fiel das Urteil des Testpublikums aus?

Die Leute waren erstaunlich begeistert. Also haben wir einfach gleich das nächste Bier nachgelegt. Es war gerade Frühsommer also sollte es was frisch-fruchtiges werden. Herausgekommen ist dann das Sunshine Ale. Kurz danach saßen wir wieder beieinander und haben uns über dieses tolle Malz unterhalten, das RedX. Und schon hatten wir das Rusty Red kreiert, ein rotes gestopftes Vollbier. Dann kam die vierte Sorte dazu, dann die fünfte. Das ist einfach alles so passiert. Aber auf einmal haben wir gemerkt, dass wir an eine Grenze kommen.

Was für eine Grenze?

Die Produktionsgrenze. Die Kunden kennen jetzt unsere fünf Biere und sie wollen, dass die auch immer verfügbar sind. Wir müssen also regelmäßig brauen mit einem relativ hohen Durchsatz, um unsere Kunden zufriedenzustellen. Das klappt aber nicht immer. Zurzeit können wir immer nur dann loslegen, wenn gerade mal Platz ist im Barfüßer Sudhaus. Wir würden ja auch gern noch ein sechstes oder siebtes Bier machen. Aber das geht grade nicht, weil sonst ständig irgendeine Sorte ausverkauft ist.

Was ist euer Negativrekord?

Unser Sunshine Ale war mal vier Monate lang nicht zu haben.

Ups.

Ja, das geht gar nicht.

Ihr braucht also eine eigene Brauerei?

Unbedingt.

Und woran haperts?

An allem. Keiner hat gerade Interesse, ein Grundstück zu verkaufen. Die Lieferzeiten bei den Anlagenbauern betragen mindestens sechs Monate. Wir werden noch eine Weile suchen.

Urban Monk

Ein Eimer Gutes. (Foto: Urban Monk)

Wollt ihr dem Prinzip Gasthausbrauerei treu bleiben.

Eine Gasthausbrauerei ist vom Arbeitsablauf her ja echt eine Schinderei. Die Jungs rennen bei uns über drei Etagen. Das Sudhaus steht im Erdgeschoss, darunter liegt die Abfüllung, noch eine Treppe tiefer stehen die Lagertanks.

Aber es hat auch was, weil man so direkten Kontakt hat zu seinen Kunden. Normalerweise gibt man als Brauer das Bier ja aus der Hand. Im Gasthaus bekommt man direkte, ehrliche Rückmeldung. Unglaublich wertvoll. Das wollen wir uns auch in Zukunft erhalten.

Weil das die Kunden verlangen oder weil euch das gefällt?

Ich würde sagen beides. Die Menschen wollen doch generell wieder einen Bezug zu ihrem Produkt haben. Nicht nur beim Bier, auch die Bäcker und Metzger merken, dass die Menschen wieder bereit sind, für gute Qualität zu bezahlen. Sie wollen aber auch wissen, wieso sie bei uns so viel mehr für ihr Bier zahlen sollen als sie es gewöhnt sind. Und wenn man ihnen zeigt, wie viel Arbeit und Rohstoffe darin stecken und das mal vergleicht mit einem Industriebier, dann verstehen sie das auch.

Also wenn du Träumen darfst, was wünschst du dir?

Idealerweise eine Art gläserne Manufaktur. Alles schön auf einer Etage, und so, dass die Kunden sich alles anschauen können. Aber bitte nicht im Industriegebiet, sondern in der Stadt. Wir heißen schließlich Urban Monk.

Ihr seid jetzt ungefähr seit einem Jahr mit Urban Monk am Start. Was habt ihr euch für 2017 vorgenommen?

Wir wollen erstmal den Sommer überleben. Das wird ein heißer Ritt. Man verkauft im Sommer ja doch eine ganze Ecke mehr Bier als im Winter. Deswegen haben wir auch noch einen dritten Brauer eingestellt, den Dominik Russ. Wir brauchten unbedingt Verstärkung.