Die Räume im Souterrain des Wohnhauses unweit des Landwehrkanals im Stadtteil Tiergarten wirken, als wäre hier das Chaos zuhause – aber auch so, als könnte man irgendwann über sie sagen, dass hier etwas Großes entstanden ist. Die Räume – nicht ganz Keller, nicht ganz Erdgeschoss – sind eine Mischung aus Lager und Büro. In einem der hinteren Zimmer steht auch ein Bett. Und ganz vorne steht ein großes, mit rotem Stoff überzogenes Möbelstück, das mal Teil eines kleinen Videopodcast-Studios sein soll. Hier arbeitet Bruno Eyron, der Mann, der einmal Balko war, und Dusan Kashkavian und einige andere auch noch. Balko Schauspieler Bruno Eyron und Bruderkuss Bier gehören hier irgendwie zusammen: Während Bruno Eyron zwischen Videopodcasts und alten Erinnerungen an die TV-Zeit jongliert, entsteht in diesen Räumen eine ganz eigene Atmosphäre.
Schauspieler und Moderator
Als Dusan Kashkavian war er auf der Raumstation Unity. So hieß die britisch-deutsche Serie, in der er 1997/98 seine erste Hauptrolle spielte. Bekannter wurde er aber erst 1998, als er die Hauptrolle in der RTL-Serie Balko übernahm. Als Kommissar ging es für ihn 2005 und 2006 als Christian Hennig in SOKO Donau weiter. Insgesamt hat Bruno in gut 200 in- und ausländischen Film- und Fernsehproduktionen mitgespielt, auch eine Weile als Moderator von „Ripley’s unglaubliche Welt“ auf RTL2.
Hier im Souterrain arbeitet Bruno auch an neuen Filmprojekten. Im vergangenen Jahr hat die Produktionsfirma, an der er beteiligt ist, Artur Schnitzlers „Traumnovelle“ neu verfilmt und ins Kino gebracht. Er hat da auch selbst mitgespielt, aber die Schauspielerei, sagt Bruno, sei „eine Liebe, die erkaltet ist“. Die Branche habe ihn zu oft enttäuscht – und dadurch in die Arme einer anderen getrieben: dem Handel mit Alkohol, vor allem mit Bier. Wobei: „Ich verkaufe nicht einfach Bier, Wein, Gin oder Rum. Ich verkaufe eine Emotion“, sagt Bruno.

„Ich verkaufe eine Emotion“
Seit 2016 ist er mit der Marke Bruderkuss auf dem Markt. Er produziert die Getränke nicht selbst, sondern arbeitet mit Produzenten zusammen, deren Zeug er auch selbst gerne trinkt. Die werden unter dem Markenlabel Bruderkuss verkauft. Auf einer der Bierdosen küssen sich Erich Honecker und Leonid Breschnew – ein ikonisches Bild. Es sei aber nicht nur dieser sozialistische Bruderkuss, sagt Bruno. Der Bruderkuss, das sei mehr. Eine starke, emotionale Geste, die es seit Jahrhunderten gibt.

Brunos Bruderkuss ist schon dreimal gestorben. Erst kam ihm ein wichtiger Handelspartner abhanden, dann der wichtigste Lieferant, zwischendurch kam die Coronapandemie. „Der letzte Tod war ein glücklicher“, versichert Bruno. Denn er hat einen neuen Lieferanten gefunden, mit dem es besser läuft als je zuvor. die Berliner Brauerei Lemke. Zuvor hatte ihm die Brauerei, die ihm sein „geliebtes bayerisches Helles“ gebraut hat, mitgeteilt, dass man die Dosenabfüllanlage nicht mehr auslasten könne, weil Aufträge weggefallen sind. Er hätte große Mengen Bier auf einen Schlag abnehmen und selbst lagern müssen. Darauf ist sein Unternehmen nicht ausgerichtet.

Zurzeit verkauft Bruno seine Bruderkuss-Palette nur auf dem Berliner Flughafen. Bald will er wieder größer einsteigen. Auch Dosen mit Motiven aus anderen Städten soll es dann wieder geben – etwa wieder wie in der Anfangszeit eine mit einem St. Pauli-Etikett. Die Entwürfe sind schon fertig. Bruno arbeitet also an der Bruderkuss-„Auferstehung“. Was ihm dabei hilft und Türen öffnet: Er war mal Balko.
(Titelfoto: Markus Tedeskino, Produktfotos: Bruderkuss)
