Headless Brewing Company

HEADLESS BREWING: Wie es Euch gefällt

Nina Anika Klotz

Im Gegensatz zu all den Craft Brewern, die stolz behaupten: „Ich braue nur, was mir Spaß macht“, haben die drei Männer hinter Headless Brewing aus Traunstein sich vorgenommen, zu brauen, was der Kunde will. Und der hat dafür ziemlich viel Mitspracherecht.

Headless Brewing Company

Haben die Ehre: Bernhard Sturm, Philipp Frauendörfer und Jan Brücklmeier, zusammen Headless Brewing (Foto: NAK)

 

Im tiefsten, schönsten Oberbayern, da wo das Helle und nur das Helle zuhause ist, brauen drei unbeugsame junge Männer seit ein paar Monaten India Pale Ale, ein Dark Ale und eine Menge anderer verrückte Sachen, ein Wiess, Lichtenhainer, verschiedene Single-Hop-Geschichten.

Jan Brücklmeier, Philipp Frauendörfer und Bernhard Sturm sind alle drei Freunde, zwei haben Brauwesen in Weihenstephan studiert, einer ist Bierliebhaber. Jan kam nach einem Aufenthalt von drei Jahren in den USA zurück, schwer verliebt in IPAs, fand keine hier und braute selbst. Bernhard probierte und machte Druck:

„Mann, dein Bier ist so gut, das müssen wir verkaufen.“ Und Philipp übernahm 2014 die Schnitzlbaumer Brauerei in Traunstein und schlug vor, die neuen, anderen Biere doch da, bei ihm, zu brauen. Und so ging Headless Brewing an den Start mit „Indian Clipper“, einem Centennial IPA und „Night Flight“, ein Cascadian Dark Ale. Gebraut im schönen Chiemgau bei – wir sagen’s nochmal, weil’s auch so ein schöner, bayerischer Biername ist – Schnitzlbaumer.

Headless Brewing Company

Sehr zum Wohle: Das Headless Brewing IPA steht bereit. (Foto: NAK)

Schnitzlbaumer und Headless Brewing – das klingt wie Wiesn versus Indie Beer Festival. Und trotzdem sagt Ihr, das geht bestens zusammen?

Philipp Frauendörfer: Allerdings, es befruchtet sich gewissermaßen gegenseitig. Ich merke das bei meinen klassischen, bayerischen Schnitzlbaumer-Kunden: Die werden neugierig und wollen wissen, was wir da mit diesem „Headless Brewing“ eigentlich machen. Und gleichzeitig können die Headless-Kunden die klassischen, guten Schnitzlbaumer-Biere für sich entdecken und trinken.
Jan Brücklmeier: Im August fand ein Brauereifest bei Schnitzbaumer statt und wir haben ganz versteckt unsere Headless Biere ausgeschenkt.

Was heißt denn ganz versteckt? Heimlich dem Helles-Trinker untergejubelt?

Bernhard Sturm: Nicht ganz, aber man muss bei diesem typischen, bayerischen Helles-Trinker schon langsam an die Sache rangehen.
Jan: Und es war erstaunlich: Da war einer, ungefähr Siebzig, Lederhose und Gamsbart, der was so begeistert von unserem IPA, dass er gesagt hat: „Ich trinke seit sechzig Jahren Bier und habe nicht gewusst, dass Bier auch so schmecken kann.“
Philipp: Das ist genau das, was cool ist an der Sache.
Jan: Und der ehemalige Brauereibesitzer, der Herr Schnitzlbaumer, war beim ersten Headless Brewing Sud dabei, weil er das Sudhaus am besten kennt, und hat anfangs immer so von Weitem geschaut. Man konnte genau sehen, dass er die ganze Zeit dachte: „Ja mei, was machen’s denn jetzt schon wieder da?“ Mittlerweile aber ist er ein absoluter Fan vom Indian Clipper. Er sagt, er könnte sich reinsetzen in dieses Bier. Er weiß nicht, was mit ihm passiert ist, aber das sei das beste Bier.
Bernhard: Er sagt, er könne gar nicht glauben, dass das auf seiner Anlage gebraut worden ist.
Jan: Schon schön, wenn man Menschen so ein neues Erlebnis bereiten kann, oder?

Headless Brewing Company

Traritrara, die Post ist da: Headless Infomaterial in Air-Mail-Optik. (Foto: NAK)

Den Leuten Freude zu machen ist in gewisser Weise ja auch Euer Programm. Ihr habt ein Motto und das lautet „Uns macht’s Spaß, wenn es Euch schmeckt“. Ihr bietet immer wieder den Versand kostenloser Versuchssude an, die der Kunde mit seiner Meinung, seinem direkten Feedback zum Bier bezahlt. Ihr geht in Sachen auf Kundenwünsche hören im Craft Beer Bereich durchaus neue Wege…

Jan: Wir wollen nicht die fünfundzwanzigste Brauerei sein, die sagt: „Wir brauen nur, was uns Spaß macht“. Uns ist klar, dass wir nicht allein sind und wollen brauen, was den Leuten schmeckt.
Bernhard: Das war eine der ganz wesentlichen Grundüberlegung als wir Headless Brewing gegründet haben: Wir wollten Bier brauen, aber so, dass es den Kunden schmeckt. Wir sind immer noch ein bisschen am experimentieren, wie man den Kunden am besten mit einbeziehen kann, wie wir erfahren, was er mag. Wir versuchen eine Art Community zu gründen, wo die Kunden uns online Feedback zu unseren Bieren geben und sagen können, was für Biere sie sich einmal wünschen würden.
Jan: Für uns sind deshalb Transparenz und Kommunikation mit dem Kunden ganz entscheidend. Auf der Braukunst Live hatten wir beispielsweise drei Experimentalsude dabei, ein Mandarina Wiess, ein Simcoe Roggen IPA, und ein Lichtenhainer. Wir sind nämlich auf der Suche nach unserem Summer Ale und wollten wissen, was den Leuten da am besten schmeckt.

Headless Brewing Company

Wie schmeckt jedes Bier immer am besten? Frisch gezapft. (Foto: NAK)

Was dürfen wir darüber hinaus 2015 von Headless Brewing erwarten?

Jan: Wir wollen dieses Jahr noch einige kleinere Sude machen, Details dazu können wir aber erst nach und nach bekanntgeben. Und: Die Schnitzlbaumer Brauerei hat einen kleinen Felsenkeller und wir haben die Möglichkeit, dort ein paar Sachen einzulagern. Es gibt beispielsweise einige alte Biersorten wie das Adambier, die als haltbare Biere geplant waren. So etwas wollen wir neben unseren normalen Bieren ausprobieren. Einfach einmal eineinhalb Hektoliter einlagern um zu schauen, was passiert. Auch wenn uns das ganz schön schwer fällt: Wir haben zum Beispiel ein Strong Ale gebraut, das man locker zwei Jahre lagern kann. Aber das Problem ist, man muss es dafür auch wirklich zwei Jahre liegen lassen, auch wenn es eigentlich jetzt schon so gut schmeckt!
Bernhard: Sicher ist, wir wollen agil und kreativ bleiben. Immer wieder Neues ausprobieren und den Kunden soweit möglich einbinden. Nicht sagen: OK, wir haben ein gutes Bier und jetzt geht es nur noch darum, das hektoliterweise in die Welt zu bringen.

Headless Brewing Company

Nur den Kopf nicht verlieren… zu spät! (Foto: NAK)

Und wenn ihr dann auf die ersten Monate als Craft Beer Brauer zurückschaut- was ist das für ein Leben?

Jan: Mir ist aufgefallen, dass man die ganzen Sachen wie Etiketten designen und Vertrieb, Kontakt mit Händlern und die Logistik total unterschätzt. Bier machen – klar, damit kenne ich mich aus, da weiß ich, was zu tun ist. Aber das drum herum, wenn man eine Marke neu aufbaut ist gewaltig. Zur Zeit genießen wir es noch, dass wir alle drei nicht von Headless Brewing leben müssen. Die Frage ist, ob es überhaupt einmal so wird, dass wir davon leben können, oder ob das überhaupt sein muss? Aktueller Stand ist: Wir haben viel Spaß bei unserer Arbeit für Headless.

Headless Brewing Company

Philipp Frauendörfer bei der Qualitätsprobe. Passt! (Foto: NAK)