Hops Brewing

HOPS BREWING: Ein halbes Jahrhundert Brauerfahrung

Markus BüsseckerIm Portrait

Rutsch mal rüber, junges Gemüse! Wie zwei erfahrene Brauingenieure sich mit Hops Brewing einen lang gehegten Traum erfüllen – den vom eigenen Craft Beer Label

Hops Brewing

Like father, like son: Holger und Oliver Schmidt – und ihr Bier. (Foto: büm)

Schön, wenn Vater und Sohn ein bisschen Zeit zusammen verbringen.
Und gemeinsam etwas unternehmen. Bierzapfen zum Beispiel.

Das läuft bei Holger (der Senior) und Oliver (der Junior) Schmidt aus Hoppstädten-Weiersbach am Rande des Naturparks Saar-Hunsrück, recht mittig zwischen Trier, Saarbrücken und Kaiserlautern gelegen, wie geschmiert. Dabei ist die Craft Beer Messe in Mainz ihr erstes großes Event als Craft Beer Brauer.

Die Schlange am ihrem Stand ist lang, aber als ausgebildeter Barmann mit Tresenerfahrung in Australien, Neuseeland und Berlin schockt das Oliver Schmidt kein Stück. Nach dem Abi war er für drei jahre nach Down-Under verschwunden, wo er das Mixen lernte und in Top-Bars Cocktails zauberte. Er zapft in bester Laune weiter, während er erzählt, wie das so ist, zurück in Deutschland mit dem eigenen Dad zusammenzuarbeiten: total dufte nämlich. „Das läuft super entspannt. Wir arbeiten auf einer Vertrauensbasis und das Projekt hat unser Verhältnis intensiviert.“

Hops Brewing

Nach sechs Monaten schon sieben Biere am Start: Hops Brewing aus der Nähe von Kaiserslautern. (Foto: büm)

 

„Das Projekt“, von dem die Rede ist, heißt Hops Brewing und ist eine der jüngsten, deutschen Craft Beer Neugründungen, eine Gypsy Brewer Marke, die nach einem guten halben Jahr bereits sieben beachtliche Biere am Start hat. Eigentlich ist „das Projekt“ die lang-gehegter-Traum-Erfüllung zweier alter Freunde: Vor 25 Jahren haben Holger Schmidt und Dietrich Freitag in Weihenstephan zusammen Brauwesen studiert. Danach haben beide Erfahrungen in Haus-und Großbrauereien in der ganzen Welt gesammelt. Heute betreiben sie ein Ingenieursbüro, beschäftigen sich mit Brauerei-Laborplanung und deren Realisierung und beraten Brauereien auf allen Kontinenten in Sachen Qualitätssicherung. Gemeinsam haben sie über ein halbes Jahrhundert Brauerfahrung. Das muss man als Craft Brauerei erst einmal zusammenbringen. Als sie 2015 beschlossen, ein Craft Beer Label zu gründen, haben die beiden gestandenen Brauingenieure quasi „unseren Beruf zum Hobby gemacht“, wie Holger Schmidt grinsend sagt.

Das Bier? Machen wir selber, sagten sich die Hops Brewing Gründer

Zu diesem Beschluss kam es so: Vor fast drei Jahren wurde Holger von seiner Heimatgemeinde Hoppstädten-Weiersbach gebeten, sie bei einem Gastronomieprojekt zu unterstützen. Um die strukturschwache Region zu bereichern. Dazu soll ein altes Bahnhofsgebäude zu einer Gasthausbrauerei umgebaut werden. „Zunächst war ich in diesem Projekt nur beratend aktiv. Wir haben den Initiatoren das Thema Craft Beer näher gebracht und gemeinsam mit einem Gastroexperten ein schlüssiges Konzept für die Gastronomie ausgearbeitet.“ Aber warum eigentlich die Sache mit dem Bier jemandem anders überlassen – wenn man doch selber Brauer ist? „Schließlich hat uns das Projekt so sehr inspiriert, dass wir mit Hops Brewing angefangen haben“, erzählt Holger Schmidt. Sein Sohn, der Barmann, kam mit der Gründung im Mai 2015 als frisch diplomierter Doemens-Biersommelier mit an Bord.

Hops Brewing

Das gesamte Team: Oliver Schmidt, Holger Schmidt und Dietrich Freitag (v.l.n.r.) (Foto: Hops Brewing)

Die Craft-Beer-und-Kitchen-Location soll im kommenden Jahr eröffnen  – eine Brauerei ist dabei allerdings nicht geplant. Das Hops-Brewing-Trio braut in bester Gypsie-Manier aushausig, aktuell  in der Vormann Brauerei in Hagen. Das Kiwi-Ale war ein ganz besonderer Kraftakt, erinnert sich Oliver Schmidt, aus planerisch-logistischer Sicht: „Wir wollten spezielle Hopfensorten, die es so auf dem europäischen Markt nicht zu kaufen gibt. Da ich über ein Jahr in Neuseeland war, habe ich sie dann über Kontakte organisiert.“ Nelson Sauvin, Cascade, Wai-iti und Wakatu kamen nur so nach Deutschland – und schließlich in das Hops-Brewing-Vorzeige-Bier.

Hops Brewing: Nicht Everybody’s Darling

Das Red Devil IPA (6,5 % Alc.), benannt nach den „Roten Teufeln vom Betzenberg“, dem 1. FC Kaiserslautern, hat keine lange Reise hinter sich. Ist aber ein echter Teufel im Glas. Das knackig-würzige, ordentlich bittere IPA ist vermutlich nicht jedermanns Sache. Muss es auch nicht. „Uns ist es wichtig nach dem Reinheitsgebot zu brauen“, unterstreicht Oliver mit Blick auf die angebotenen Sorten. Aber Mainstream sollen sie trotzdem bitteschön nicht sein. „Wir wollen kein Bier haben, das allen Leuten schmeckt“, sagt er und zapft zufrieden weiter. Die Schlange an seinem Stand ist immer noch lang.

Hops Brewing

Das Kiwi Ale und sein Meister. (Foto: büm)