craft Beer 2015

Auf Euch, ihr Hopfenhelden 2015!

Nina Anika KlotzUncategorized

Craft Beer ist nicht wie Bubble-Tea, kurz ein Riesending und dann wieder komplett verschwunden. So viel ist Ende 2015 sicher. Craft Beer ist gekommen, um zu bleiben. Aber 2016 bleibt trotzdem spannend, glaubt Nina Anika Klotz, Herausgeberin von Hopfenhelden

 

Craft Beer ist endgültig angekommen, wenn es das Wort Craft Beer nicht mehr braucht.
„Bei uns redet man eigentlich nur noch von ‚beer‘“ haben uns Craft Brewer in den USA erzählt. Und stimmt auch: Über den langen Supermarktgängen voller Bier, diverse Sorten von Gose über Weizenbock bis Smoked Porter aus unterschiedlichsten Craft Breweries, von Rogue, Stone, Lagunitas, Sierra Nevada, New Belgium, Goose Island, aber auch kleinen, lokalen Brauereien, die nicht nur hierzulande kein Mensch kennt, sondern die schon im Nachbarstaat Unbekannte sind, weil sie ihr Hauptgeschäft um den eigenen Schornstein herum machen, steht schlicht und einfach „Beer“, nicht Craft Beer.

Craft Beer 2015: Angekommen.

In Deutschland sind wir da noch lange nicht. Im Gegenteil: Wir sind Ende 2015 an einem Punkt angekommen, an dem das Wort Bier allein nicht mehr taugt. Und das ist gut so. Gut für die Craft Beer Bewegung. Wenn an der Bar mit „Ein Bier, bitte!“ nicht mehr alles gesagt ist, sondern Rückfragen kommen, ja, welches denn, bitte, was für ein Bier, wie soll es schmecken, dann ist Craft Beer angekommen. Noch nicht endgültig. Aber schon um zu bleiben.

Wir werden 2016 sicherlich weiterhin immer mal wieder mit dem Begriff Craft Beer hadern. Was genau ist das, wer ist das, ab wann darf man sich dazu zählen – und ab wann nicht mehr? Denn, hundert Mal geschrieben, tausend Mal gehört: Die Craft Beer Bewegung ist in Deutschland unter ganz anderen Voraussetzungen gestartet als in den USA. Dort gab es kaum Brauereien, hier immer schon viele, die USA hatten keine Bierkultur mehr, hier rühmt man sich die Welthoheit dieser zu sein und so weiter. Und dennoch kann man sich die Entwicklung der Bewegung in den Staaten anschauen und überlegen, was wohl in Deutschland passieren wird. Das Thema Übernahmen, Investoren und Craft-Beer-Brauereiaufkäufe ist – andere Rahmenbedingungen hin oder her – hier ebenfalls denkbar.

Bier von hier

Oder auch das Thema Regionalität. Ein großer Teil der US-Craft Breweries verdankt ihren Erfolg dem „support your local dealer“-Spirit der Generation Organic Market: Aus ihrer Sehnsucht nach mehr Transparenz und Nähe zwischen Produzent und Konsument trinken die Leute mit Freude das Bier des Brauers in ihrer Stadt, in ihrem Kiez, den sie schon ein paar Mal „in echt“ gesehen haben, in dessen Brewpub man gehen kann, wenn man eigentlich gar nicht ausgehen will, ohne sich umzuziehen, einfach nur schnell auf ein Bier um die Ecke.

Klar, bisher war Craft Beer so ein kleines, nischiges Ding, dass jeder Craft Beer Brauer überregionale Märkte ansteuern musste, sonst lohnte es sich ja nicht. Kann sich 2016 ändern.

Was passiert, wenn Craft Beer Größen aus dem Ausland mit einem Entwicklungsvorsprung von zehn bis fünfzehn Jahren in einen jungen Craft Beer Markt kommen, kann man an der Craft Beer Geschichte der USA allerdings nicht ablesen. Was diesbezüglich in Deutschland passiert ist Premiere – und macht 2016 höchstspannend.

Völlig unspannend hingegen das Trara um das Reinheitsgebotsjubiläum: Das wird der Craft Beer Bewegung einfach noch mal viel Aufmerksamkeit bescheren. Und das Wort Craft Beer brauchen wir da dann noch sehr.

Wir sagen Dankeschön

Wir jedenfalls freuen uns nach gut zwei Jahren Craft Beer Onlinemagazin auf das nächste. Und nutzen die Gelegenheit zwischen den Jahren, wenn alle sich gegenseitig mit Festtagslaune und feierlichen Gesichtern rührselige Dinge sagen und schreiben, schöne Dinge, die man sonst viel zu selten sagt, uns zu bedanken.
Danke, liebe Leser. Fürs Lesen. Immer wieder. Danke!
Danke, liebe Autoren. Fürs Schreiben und tatkräftigste Unterstützen.
Danke, liebe Brauer. Fürs mit uns Reden und in die Kessel schauen lassen.
Danke, ihr ganzen Hopfenhelden, für einen wilden Ritt 2015 und auf ein großes, neues Jahr.