BERLINER WEISSE

Rory Lawton

Die BERLINER WEISSE ist ein Bier für dich, wenn:

  • du eine durstlöschende, erfrischende Pause an heißen Sommertagen suchst, die nicht zu viel Alkohol hat
  • du Spaß hast an knackigen, sauren Bieren, die noch dazu ein großes Stück Berliner Braugeschichte erzählen 
  • du kein Problem damit hast, dich gegen schlecht informierte Weisse-mit-Schuss-Trinker durchzusetzen, die die Berliner Weisse gern mit billigem Plastiksirup verderben
berliner weisse

Berliner Weisse. Nicht grün, nicht rot. Sondern richtig. (Foto: StP)

Geschichte der Berliner Weisse

Der Name sagt alles: Die Berliner Weisse ist ein Weissbier, das aus der deutschen Hauptstadt stammt. Ein säuerliches, obergäriges Weizenbier, das über Jahrhunderte im Norden Deutschlands gebraut wurde. Mitte des 19.Jahrhunderts war Berlin eine der Bierhauptstädte Europas mit hunderten, kleinen Brauereien, die alle ein Bier brauten, dass von den Napoleonischen Truppen einst als „Champagner des Nordens“ bezeichnet wurde.

Unglücklicherweise war das darauffolgende Jahrhundert kein gutes für die Berliner Weisse. In den 1920ern begannen einige Berliner, die Weisse mit grünem Waldmeister- oder rotem Himbeersirup zu pantschen, um damit den säuerlichen Geschmack zu übertünchen. Das war der Beginn des Untergangs der Berliner Weisse, in den kommenden Jahrzehnten verlor dieser Bierstil mehr und mehr an Bedeutung, das Pils wurde zu dem Berliner Bier.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts braute nur noch eine einzige Berliner Brauerei ein Bier namens Berliner Weisse, doch auch das entsprach nicht mehr dem Original: aus hygienischen Gründen verzichtete man hier auf die verwendung von Brettanomyces. Ein Glück, dass der Bierstil Berliner Weisse mit der Craft Beer Bewegung ein Comeback erlebt.

Auf dem Berliner Weisse Gipfel kommen Weissebrauer aus ganz Europa zusamen. (Foto: StP)

Auf dem Berliner Weisse Gipfel kommen Weissebrauer aus ganz Europa zusamen. (Foto: StP)

Die original Berliner Weisse wird aus einer Kombination aus Weizen und Pilsener Malz gebraut. Das Bier mir der geringen Stammwürze (wegen der die original Berliner Weisse auch ein Schankbier und kein Vollbier ist) wird mit einer neutralen, obergärigen Ale-Hefe, Saccharomyces, und Lactobacillus Bakterien vergoren. Das Bier wird dann jung in die Flasche gefüllt und reift darin einige Monate, während denen die Brettanomyces, eine besondere Hefeart, Zeit hat, dem Bier seinen ganz eigenen Geschmack, eine gewisse Erdigkeit und Trockenheit im Abgang zu geben.

Wie auch beim Kölsch, ist die Bezeichnung Berliner Weisse regional geschützt. In Deutschland dürfen nur Brauer, die tatsächlich in Berlin brauen, ihr Bier als Berliner Weisse bezeichnen (alles andere ist dann eine „Weisse Berliner Art“).

Bierstil Guide Berliner Weisse

Aussehen: Sehr helles Strohgelb. In der Regel trüb.
Alkohol:Traditionell 2-4 % Vol.%
Aroma:Die Milchsäure dominiert mit ihrem milden Apfelaroma. Manchmal Getreidearomen in der Nase.
Geschmack:Knackig, sauer und trocken. Erdige Noten. Sehr geringe, fast nicht zu schmeckende Bittere (Hopfenbittere ist für diesen Bierstil nahezu irrelevant).
Körper:Trocken und schlank dank seiner geringen Stammwürze, crisp und erfrischend, mit einem hohen Grad an Kohlensäure.
Mit Strippe heißt mit Kümmelschnaps. Schmeckt! (Foto: StP)

Mit Strippe heißt mit Kümmelschnaps. Schmeckt! (Foto: StP)

Empfohlene Beispiele für Berliner Weisse

    • Die ganz und gar echte: Berliner Weisse, Bogk-Bier Privatbrauerei (DE) – Der Brauer Andreas Bogk verwendet sowohl eine Ale-Hefe als auch Milchsäurebakterien während der ersten Gärung, für die Nachgärung gibt er außerdem eine Brettanomyces dazu, die er erfolgreich aus einer Original Berliner Weisse aus den 1980ern des VEB Getränkekombinat Berlin isoliert und gezüchtet hat, hinzu. Er braut nur sehr kleine Mengen, diese aber so authentisch wie möglich: kompromisslos, sauer und knackig. HÖCHST SELTEN!
    • Die andere Original Berliner Weisse: Brewbaker Jahrgangs Berliner Weisse, Brewbaker Brauerei, Berlin (DE) – Eine andere variante des Originals. Leicht und gut ausgewogen. Mit gerade mal 2,5 % Vol. ist dieses Bier ausnehmen erfrischend.
    • Sauer mit dem gewissen Etwas: Onkel Herbert Rhabarber Weisse, by Onkel Bier, Düsseldorf (DE) –  von einem deutschen Gypsie-Brauer, der bei De Proefbrouwerij in Belgien diese “Berlin Style Weisse” mit drei Prozent Rhabarber Püree braut, das er direkt vor der Flaschenabfüllung hinzugibt und das dem eigentlich sehr trockenen Bier eine sehr milde Fruchtigkeit gibt.
    • BRLNR WSS: BRLO braut eine sehr respektable Berliner Weisse in ihrer Brauerei am Gleisdirekt, direkt im Herzen der Stadt nahe des Potsdamer Platzes. Die genaue Lokation ist wichtig, weil die Weisse hier im BRWHOUSE auch getrunken werden kann. Und Frisch schmeckts immer am Besten.
    • Nicht eine, sondern viele: Ulrike Genz hat sich ganz und gar dem Berliner Original verschrieben und braut unter dem Label Schneeeule ausschließlich Berliner Weissse – mal mit Holunderblüten, mal ohne, immer spannend