Lexikon der Biersorten

„Bier ist der Schmierstoff des sozialen Lebens“

Claudia Doyle

[SPONSORED POST] Pils, Helles, Weißbier. Kölsch, Märzen, Schwarzbier. Und… äh… Radler? – Fragt man den deutschen Biermichel nach Biersorten, die er kennt, wird es schnell ziemlich still. Dabei gibt es so viele. Hunderte! Einer, der sie alle kennt, hat nun ein Buch darüber geschrieben. Ein Lexikon mit dem Zeug zum Standardwerk für Bierliebhaber. Wir haben und mit dem Autor Horst Dornbusch über seine Arbeit an „Das große BRAUWELT Lexikon der Biersorten“ unterhalten.

Horst Dornbusch ist Berater, Buchautor und Biertrinker aus Leidenschaft. 1969 kehrte er seiner Heimat in Westdeutschland den Rücken und wanderte nach Amerika aus. Nach einer Woche auf See stolperte der 22-Jährige in New York vom Schiff und kaufte sich erwartungsvoll das erste Bier. Doch die fade Plörre, die ihm über die Kehle rann, verdiente die Bezeichnung Bier nicht einmal. Dornbusch war enttäuscht und wurde aus reiner Not zum heimlichen Homebrewer. Heimlich, weil das damals in den USA noch verboten war.

Lexikon der Biersorten

Bierstile. Viele. Und auch das ist nur eine Auswahl, hier fotografiert an der Wand des Hopfenreich in Berlin. (Foto: NAK)

In der Küche bastelte der Student sich seine erste Brauanlage zusammen, abends vor dem Einschlafen las er Bücher über Malz und Würze, bald gärten in seinem Haus die unterschiedlichsten Biere. 1995 eröffnete Dornbusch sogar seine eigene Brauerei in den USA und spezialisierte sich auf deutsche Bierstile.

Heute berät Horst Dornbusch Brauereien, die neue Biere herstellen, verschlossene Märkte erobern oder andere Zielgruppen bedienen wollen. Zwischendurch schreibt der ehemalige Journalist Bücher. Sein neuestes Werk heißt „Das große BRAUWELT Lexikon der Biersorten“. Doch statt eines faden Lexikons erwartet die Leser eine abenteuerliche Studienreise durch Bierstile aus der ganzen Welt. Anstatt sich den Bieren nur theoretisch zu nähern oder sie rein sensorisch zu beschreiben, erzählt Dornbusch Anekdoten und historische Zusammenhänge.

Wir haben den Autor gefragt, wie er für das Bierlexikon recherchiert hat und was das Schwierigste dabei war.

Lexikon der Biersorten

Brandneu erschienen: Das große Brauwelt Lexikon der Biersorten aus dem Hans Carl Verlag. (Foto: PR)

Herr Dornbusch, ein Lexikon der Biersorten zu schreiben, das klingt nach einer Mammutaufgabe. Wie lange haben Sie daran geschrieben?

Vier Monate.

Vier Monate nur?

Vier Monate Schreibarbeit. Aber ich habe schließlich 45 Jahre Bier- und Brauerfahrung. Die ist in das Buch eingeflossen. Aber das Schreiben an sich, das ging schnell. Pro Tag schaffe ich etwa zwei Seiten.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich stehe morgens auf, trinke einen Kaffee und fange an zu schreiben. Gegen 19 Uhr fahre ich den Computer runter, koche meiner Frau und mir etwas zu essen, das war‘s. Am nächsten Tag geht es wieder von vorne los. Deswegen schreibe ich meine Bücher immer im Winter, etwa von Oktober bis Februar. Wenn ich fertig bin, vertreibt draußen die Frühlingssonne langsam den Schnee von den Wiesen und ich habe wieder Lust, rauszugehen.

Wie recherchiert man für ein Lexikon der Biersorten?

Fremdsprachkenntnisse sind extrem hilfreich, wenn man alte Quellen verstehen möchte. Ich spreche neben Englisch und Deutsch auch Französisch, Holländisch, Spanisch und Latein. Ein gutes Faktengedächtnis ist schadet auch nicht. Und natürlich hilft mir auch meine Bierbibliothek, meine Sammlung von über 300 Bierbüchern.

In dieser Sammlung stehen doch sicher schon einige Bierlexika?

Das älteste Bierlexikon stammt aus dem Jahr 1575. Geschrieben hat es ein Dr. Heinrich Knaust, es heißt: „Fünff Bücher. Von der Göttlichen und Edlen Gabe / der Philosophischen / hochthewren und wunderbaren Kunst / Bier zu brawen“. Knaust beschreibt darin 125 Biersorten, hauptsächlich aus Deutschland, Polen, Skandinavien. Es war für die damalige Zeit eine tolle Leistung, ist aber inzwischen reichlich überholt. Zuletzt erschien im Jahr 1852 eine Art Bierlexikon. Aber seitdem ist viel passiert, und in der Literatur klaffte eine riesige Lücke.

Welchen Ansatz haben Sie beim Schreiben verfolgt?

Es ging mir nicht darum zu erklären, wie man dieses und jenes Bier braut. Ich wollte auch nicht beschreiben, wie genau ein Bierstil schmeckt, riecht oder aussieht. Mein Ziel war ein Mittelweg, ein unterhaltsames und lehrreiches Buch über Bier. Bier ist die Schmiere des sozialen Lebens. Darüber kann sich ein Bauarbeiter mit dem Professor unterhalten, das ist doch toll. Mein Buch sprudelt vor amüsanten Anekdoten und harten Fakten.

Bringen Sie mal ein Beispiel!

Okay, schlagen wir mal beim Buchstaben B nach, bei Bockbier, und lesen ein paar Absätze daraus.

„Offenbar waren die frühen Klosterbiere so nahrhaft und schmackhaft, dass die strengen und enthaltsamen Paulaner – jedenfalls nach einer amüsanten Legende, die vielleicht nicht ganz wahr ist – ein schlechtes Gewissen ob ihres Luxus bekamen. Besonders während der Fastenzeit war solch ein weltlicher Biergenuss vielleicht ein kaum vertretbares Vergnügen, weshalb die Mönche beschlossen, ein Fass ihres starken Bieres nach Rom zu schicken, mit der Bitte, dass der Heilige Vater es doch gnädigst probiere und entscheide, ob man es zu jeder Jahreszeit auch ohne Gewissensbisse trinken dürfe.

Während des langen Transports über die Alpen und entlang der sonnigen Reisewege Italiens litt das Bier natürlich gewaltig. Kein Wunder also, dass es verdorben in Rom ankam. Als der Papst endlich den viel gepriesenen Trunk aus München verkostete, fand er ihn widerlich und er fällte sofort seine Entscheidung: Die Mönche in München mögen so viel von diesem grässlichen Getränk einnehmen, wie  immer sie wollen, denn wer freiwillig so etwas Abscheuliches hier auf Erden seinem Körper antut, dessen Seele wird bestimmt in den Himmel kommen. Damit gab er dem neuen, scheinbar fürchterlichen Klosterbier seinen Segen.“

Die Leser sollen also Schmunzeln und gleichzeitig etwas lernen?

Genau.

Und ich muss kein Experte sein, um es zu verstehen? Früher haben Sie ja viele technische Bücher geschrieben, die sich an Brauer mit entsprechendem Fachwissen gerichtet haben.

Das Lexikon der Biersorten ist anders. Ich habe Fachbegriffe und Jägerlatein vermieden.

Keine komplizierten chemischen Fremdworte?

Nein, anstatt von Isoamylacetat spreche ich zum Beispiel einfach von Bananengeschmack. Das macht es verständlicher. Dieses Buch soll schließlich eine Brücke schlagen zwischen Bierwissenschaft und Kultur. Es ist für Bierliebhaber gedacht, nicht für Akademiker.

Lexikon der Biersorten

Weil Bier eben nicht gleich Bier ist, macht es nur Sinn, sich über Bierstile und -sorten zu informieren. Damit man besser bestellen kann… (Foto: NAK)

Wie hat sich die Bierlandschaft in den letzten Jahren verändert?

Die Vielfalt der Sorten ist enorm gestiegen. Gerade in Deutschland herrschte ja im 20. Jahrhundert eine unglaubliche Langeweile auf hohem technischem Niveau. Hier gab es Helles, Dunkles, Bock, Weißbier und Pils. Mehr nicht. Jetzt beginnen die Brauer wieder, alte Rezepte auszugraben und nachzubrauen, das gefällt mir. Tradition, schön und gut, aber Wandel ist doch normal.

Was war das Schwierigste beim Schreiben?

Die Entscheidung darüber, welches Bier ich aufnehme und welches nicht.

Sollte ein Lexikon nicht alle Sorten enthalten?

Hätte ich eine vollständige Auflistung gemacht, dann wäre das Buch ein langweiliger Schinken mit 2000 Seiten geworden. Also musste ich auswählen Einige historische Sorten, die zurzeit keinerlei Bedeutung mehr haben, halte ich für sehr interessant. Zum Beispiel das Celia, ein Mönchsbier aus dem Hochmittelalter. Das braut keiner mehr, aber ich habe ihm einen Eintrag gewidmet. Manche modernen, aber kuriosen Experimente habe ich hingegen weggelassen. Das ist natürlich eine subjektive Entscheidung. Aber sie tut dem Buch gut.


AUF EINEN BLICK:

Das große BRAUWELT
Lexikon der Biersorten

Horst Dornbusch

Das große BRAUWELT Lexikon der Biersorten beschreibt auf unterhaltsame Art und Weise fast alle Biersorten der Welt, von der Antike bis zur Gegenwart. Neben den großen „klassischen“ Biersorten  stellt der Autor Horst Dornbusch bedeutende historische, z. T. in Vergessenheit geratene Biere und selbst Avantgarde-Biersorten der Craft-Bier-Bewegung vor. Mit vielen Legenden und Anekdoten angereichert, ist dieses A-Z-Referenzwerk für Laien und Fachleute gleichermaßen ein spannender und lehrreicher Lesegenuss.

 

ISBN                      978-3-418-00131-9

Umfang               248 Seiten

Format                 22,5 x 16,0 cm

Preis                     EUR 24,90

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