OKTOBERFESTBIER (Märzen)

Rory Lawton

Das deutsche Oktoberfestbier ist ein Bier für dich, wenn:

  • du deutsche Lagerbiere magst und etwas gehaltvolleres möchtest, insbesondere, wenn das Wetter kühler wird.
  • du die feine Balance von deutschen Malzen magst, die während einer langen Lagerzeit einen außerordentlich abgerundeten Geschmack bilden.
  • du wirklich und allen Erstes Gefallen daran findest, an einem Tisch mit fremden Gleichgesinnten zu hocken und pausenlos mit denen anzustoßen, sprich: du das Oktoberfest-Gefühl magst. 
Maerzen

Oans, zwo. (Foto: StP)

Geschichte des Oktoberfestbier (Märzen)

‚Märzen‘ und ‚Oktoberfestbier‘ sind zwei Namen für ein und denselben Bierstil: Der März war traditionell der Monat, in dem dieses Bier gebraut wurde und das Oktoberfest war das Event, auf dem die letzten Fässer des starken, vollen Bieres versoffen wurden.

Vor der Erfindung der Kältemaschine Mitte des 19.Jahrhunderts waren die Sommermonate eine schlechte Zeit um Bier zu brauen. Mikroorganismen blühten zur warmen Jahreszeit auf und die Gefahr, dass das gärende Bier verdarb, war groß. In Bayern war es deshalb sogar verboten in den Monaten April bis September Bier zu brauen. So wurden große Mengen von auf Vorrat gebrauten Bieren in kühlen Kellern und Höhlen gelagert, um die Bierversorgung den Sommer über sicher zu stellen.

Märzen oder Oktoberfestbier wurde traditionell also im März gebraut und zwar so, dass es die lange Lagerzeit bis September unbeschadet überstehen konnte. Schließlich sollten die Fässer noch etwas taugen, wenn sie zum Oktoberfest angestochen wurden. Obwohl der Bierstil sich in den vergangenen 170 Jahren immer wieder leicht verändert hat, wird dieses Fest seit dem gefeiert – und Bier ist und bleibt sein wichtigster Bestandteil.

Maerzen

We had joy, we had fun. Und ein paa Bier. (Foto: NAK)

Aller Anfang: Spatenbräu

Wie alle Biere aus dem deutschsprachigen Raum war das Märzen dunkler und malziger bevor die helleren Malze wie das Pilsener Malz sich durchsetzten und den untergärigen Bieren (Pils und Helles) zu ihrem Erfolg verhalfen. Gabriel Sedlmayer von der Spaten Brauerei in München beschloss, dass auch das Märzen ein kleines Make-Over gut gebrauchen könnte und braute einer hellere Version mit Wiener Malz. Dieses Rezept wurde weiter entwickelt, bis Sedlmayer 1871 mit Münchner Malz ein Märzen braute, dass erstmals unter dem Namen „Oktoberfestbier“ vermarktet wurde. Andere Brauereien zogen nach, wenngleich allein Münchner Brauereien, die auch auf der Wiesn ausschenkten, ihr Bier Oktoberfestbier nennen durften.

Märzen oder Oktoberfestbier ist ein sehr weiches, malziges Lagerbier. Die Hopfenbittere spielt nur eine Nebenrolle und das Hopfenaroma ist so gut wie nicht-existent. Es hat einen höheren Alkoholgehalt als die meisten deutschen Lagerbiere (sprich Helles oder Pils). Und trotzdem ist es dafür gemacht, in größeren Mengen getrunken zu werden als normales Bier – in Masskrügen nämlich.

Biestil Guide Oktoberfestbier (Märzen)

Aussehen:Ein modernes bayerisches Märzen oder Oktoberfestbier ist gold bis bernsteinfarben. (Einige US-amerikanische Interpretationen dieses Bierstils sind zu dunkel und malzig)
Alkohol:In der Regel 5.5-6.2% Vol.
Aroma:Feines Malzaroma. Kann süß sein, aber karamellige Biscuit-Noten sollen dominieren. Quasi null Hopfenaroma.
Geschmack:Rund, malzig, voll; sollte gut ausbalanciert sein, geringe Hopfenbittere.
Körper:Mittelgroßer Körper, mittelstark karbonisiert.

Empfohlene Beispiele für ein Oktoberfestbier (Märzen)

  • The author’s choice: Ayinger Oktoberfest-Märzen – Brauerei Aying (DE). Ganz genau betrachtet kann dieses Bier nicht als ein echtes Oktoberfestbier bezeichnet werden, weil die Brauerei nicht in München ist und damit ihr Märzen auch nicht auf dem Oktoberfest ausschenken darf. Und dennoch hat Ayinger hier ein Fest-Märzen geschaffen, das alle großen, etablierten Münchner Brauereien alt aussehen lässt. Brotig, malzig, mit einer Karamell-Süße und einen Hauch Würzigkeit. Lohnt sich, danach zu suchen.
  • Echtes Oktoberfestbier: Oktoberfest Märzen – Hacker-Pschorr/Paulaner (DE).  Über Geschmack lässt sich streiten, aber das Paulaner kann schon als das Beste der sechs „echten“ Oktoberfestbiere durchgehen. Eher am unteren Ende des Alkoholgehaltes angesiedelt (5,8 %) hat dieses Bier einen volleren Körper und einen besser definierten bitteren Abgang als andere.
  • Die Abwandlung eines Originals: Spaten Oktoberfest Ur-Märzen – Spaten-Franziskaner-Bräu (DE). Ein anderes Bier als das Oktoberfestbier von derselben Brauerei. Es wird speziell für den Export in die USA produziert und ist dunkler und etwas rötlicher als das in München auf der Wiesn ausgeschenkte Spaten-Bier.
Maerzen

Trinkt das auf der Wiesn, sagt Rory Lawton. (Foto: NAK)