Hopfensorten

Die wichtigsten Hopfensorten auf einen Blick

Dr. Christina Schönberger

Wer ist eigentlich dieser Amarillo, von dem immer alle reden? Wer Simcoe und Chinook? Und vor allem: Was haben sie mit meinem Bier gemacht? Citra wie Zitrone? Und Equiwas? Dr. Christina Schönberger von der Barth-Haas Hops Academy erklärt die wichtigsten Hopfensorten, die im Craft Beer Bereich eine Rolle spielen

Hopfendolden

Namen, die nach einer Kita im Prenzlauer Berg klingen: Ella, Aurora und Amarillo

Als Stan Brooks 1956 Samen für neue Kreuzungen aussuchte, konnte niemand ahnen, das diese zukünftige Hopfensorte im Jahr 2015 die mengenmäßig wichtigste sein würde. Die Sorte Cascade, ein Sprössling englischer und russischer Gene,  kam Ende der 60er Jahre in den USA in den Versuchsanbau, doch das Interesse an dieser Sorte, die ein so seltsames fruchtiges Aroma hatte, war gering. Nur weil die Welke [von einem Pilz hervorgerufenen Pflanzenkrankheit, Anm. d. Red.] damals gefragte Sorten wie Mittelfrüh dahinraffte griffen einige große amerikanische Brauereien auf diese neue Sorte zurück. Doch zufrieden waren sie nicht. Cascade war als Ersatz für eine typische europäische Sorte gedacht, war aber dafür viel zu aroma- und geschmacksintensiv und die Brauereien verabschiedeten sich relativ schnell wieder von dieser Sorte. Anfang der 80er Jahre war die Anbaumenge von Cascade daher minimal – bis die erste Generation der US-Craft Brauer die Sorte für sich entdeckte, allen voran Sierra Nevada. Mit über 2700 Hektar Anbaufläche hat Cascade die jahrelang wichtigsten Bittersorten (CTZ) nun 2014 übertroffen!

Insgesamt werden mittlerweile auf knapp 40% der amerikanischen Hopfenanbaufläche sogenannte „flavour hops“, also Hopfensorten mit ausgeprägt fruchtigen Aromen, angebaut.

SorteHektar 2014
Cascade2679
Centennial1357
Simcoe®763
Citra®713
Chinook664
Willamette469
Mosaic™272
Experimental175
Mt Hood170
Golding133
Palisade®90
Crystal85
Athanum™79
weitere (Amarillo etc.)4243
USA Ingesamt37500

Cascade

Cascade wird nicht nur in den USA angebaut, mittlerweile gibt es auch deutschen, österreichischen, englischen, neuseeländischen und australischen Cascade. Je nach Anbaugebiet (und auch nach Erntejahr) kann das Aroma von Cascade sehr unterschiedlich ausfallen. Der amerikanische Cascade ist bekannt für seine Grapefruit-, Zitrus- und schwarze Johannisbeernoten. Der australische und auch der neuseeländische Cascade sind gerade auf der fruchtigen Seite sehr intensiv mit Himbeer-, Pfirsich- und Ananasnoten. Der deutsche Cascade hat seinen Schwerpunkt eher auf den unterschiedlichen Zitrusnoten und grünen Früchte (Birne, Quitte etc.). Der englische Cascade ist auf der fruchtigen Seite etwas schwächer bringt aber sehr interessante würzige, holzige und krautige Aromen mit ein. Ausserdem ist Cascade ist ein begehrtes Material für aktuelle Züchtungen weltweit die in die fruchtige Richtung abzielen.

  • Cascade
  • Ölgehalt bis 1,4ml/100g
  • Grapefruit (USA), Pfirsich und Ananas (Australien), Zitrusnoten (Deutschland)
Hopfensorten

Wächst auch in Deutschland: Cascade, hier in der Halllertau. (Foto: StP)

Centennial

Die Nummer zwei in puncto Anbaufläche in USA ist Centennial. Die Anbaufläche ist mit 1350 Hektar etwas halb so groß wie die von Cascade. Centennial stammt von Brewers Gold ab. Es gibt durchaus aromatische Ähnlichkeiten zu Cascade, jedoch hat Centennial keine so stark ausgeprägten Zitrusnoten wie Cascade. Der Aromaschwerpunkt liegt hier bei Roten Beeren; Cassis und auch Himbeernoten sind oft im Vordergrund. Dazu kommen intensivere würzige und holzig aromatische Noten wie Cognac, Tonkabohne bis hin zu Anisgeschmack.

  • Centennial
  • Ölgehalt bis 2,5ml/100g
  • Cassis und holzige Noten

Simcoe

Die Sorten Simcoe, Citra, Amarillo und Chinook sind bei der Anbaufläche relative ähnlich mit um die 700 Hektar. Wobei Simcoe und Citra gerade seit 2010 sprichwörtlich aus dem Boden geschossen sind, 2010 war Simcoe nur in minimalen Mengen vorhanden und Citra quasi noch im Versuchsanbau! Simcoe gibt es hingegen schon seit 2000 und ist eine Sorte aus dem Züchtungsprogramm von Yakima Chief. Ganz charakteristisch für Simcoe sind die intensiven Aromen nach Ananas und Harz. Für viel US-IPAs charakteristische Merkmale im Aroma die oft auf diese Sorte zurückgeführt werden können. Darüber hinaus sind aber auch starke Zitrus-, Heidelbeer, Johannisbeer- und Maracujanoten für Simcoe charakteristisch.

  • Simcoe
  • Ölgehalt bis 2,5ml/100g
  • Ananas und Harz
Hopfesorten

Happy Konfetti: Bei der Hopfenernte. (Foto: StP)

Citra

Nur wenige Hopfensorten sind so charakteristisch wie Citra und auch so leicht aus anderen Hopfenaromen in Bier auszumachen. Als Züchtung der Hop Breeding Company wird Citra  seit 2007 angebaut, sprunghaft hat sich die Anbaufläche seit 2012 vergrößert. Citra ist ein Sprössling des Hallertauers und des amerikanischen Tettnangers, also im Herzen sehr deutsch! Wobei der Name Citra natürlich eine Erwartungshaltung in Richtung intensive Zitrusnoten mit sich bringt. Das wird dem Aroma- und Geschmackspotential dieser Sorte allerdings nicht gerecht. Neben Limette und Grapefruit finden sich in Citra eine Vielzahl an unterschiedlichsten Fruchtnoten wie Maracuja, Litschi, Stachelbeere und Pfirsich aber auch Aromen von roten Beeren, grünen Früchten und Blumen machen die Aromenpalette von Citra sehr umfassend.

  • Citra
  • Ölgehalt bis zu 2,8ml/100g
  • tropische Früchte (Maracuja, Litschi etc.)

Chinook

Chinook kam als Sorte des offenen amerikanischen Züchtungsprogramm als Bittersorte 1985 auf den Markt und stammt von englischen Goldings ab. Die Menge an Chinook wurde durch den Craft-Boom in den letzten 4 Jahren verdreifacht auch hier Tendenz steigend. Sein Aroma ist wiederum eine Kombination aus intensiven roten Beeren Aromen, süße Früchte und Zitrusnoten. Charakteristisch ist das ingesamt eher rauchige Aroma von Chinook, bei dem die Fruchtnoten zusammen mit intensiven Gewürznoten nach Estragon, Wacholder, Basilikum und Lavendel dominieren.

  • Chinook
  • Ölgehalt bis 2.7 ml/100g
  • rote Beeren und Gewürznoten

Amarillo

Amarillo ist eine Sorte der Virgil Gamache Farms in den USA. Genaueres über die Abstammung ist nicht bekannt. Im Vergleich mit den anderen Sorten ist das Aroma- und Geschmackspotential von Amariollo eher sanfter und lieblicher. Der Aromaschwerpunkt liegt hier auf süssen Früchten wie Aprikose, Pfirsich und Honigmelone abgerundet mit moderaten holzigen und würzigen Aromen. Auch Zitrusaromen sind von Bedeutung dominieren aber nicht den Gesamteindruck.

  • Amarillo
  • Ölgehalt bis 1.7ml/100 g
  • Aprikose, Pfirsich
Weiter spannende US Sorten (0-80 Hektar)
El Dorado®
Sterling
Glacier
Azacca™
Jarrylo™
Vanguard
Amarillo®
Equinox™
Lemondrop™
Sorachi Ace
Cashmere
Calypso

Gerade in den USA tut sich in puncto Hopfenzüchtung sehr viel. Hier gibt es nicht nur öffentliche Züchtungsprogramme sondern auf viele private an denen Hopfenhandelsfirmen bzw. Hopfenpflanzer beteiligt sind. Daher ist es nicht verwunderlich, dass gerade aus USA in den letzten 4 Jahren sehr viele Sorten auf den Markt kommen (siehe Tabelle oben). Deren Zukunft bezogen auf eine zukünftige Marktrelevanz hängt von vielen Faktoren ab wie Anbaueigenschaften, Krankheitresistenzen, Ertragsmengen und natürlich Braueigenschaften. Eins aber ist gewiss – die Hopfenzukunft sieht bunt aus!

Und eines haben alle diese Sorten gemein – sie sind zur Zeit quasi alle ausverkauft.

Hopfensorten

Sweet, little Hopsis. (Foto: StP)

 

Mehr Wissenswertes, aktuell und aus allerbester Quelle, findet Ihr ab sofort auch im Hopflavors-Blog der Hops Academy.
Weitere, ausführliche Aromabeschreibungen zu den einzelnen Sorten gibt es in den Hopfenaromabüchern 1-3: