DAMPFBIER

Clarissa Omiecienski

Dampfbier ist ein Bier für dich, wenn…

  • du es gerne sprudelig magst
  • dem Bayerischen Wald kulinarisch näher kommen willst
  • kein großer Hopfenfreund bist

Dampfbier ist ein ursprünglich bayerisches, obergäriges Gersten-Bier, das mit Weißbierhefe gebraut wird. Sehr spritzig und bekannt für besondere Verhalten seines Gärschaumes.

Geschichte des Dampfbieres

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war das Dampfbier rund um den Bayerischen Wald, in Westfalen und auch im Rheinland sehr beliebt und wurde besonders gern im Sommer gebraut, heute allerdings ist es noch selten zu finden. Umso spannender, wenn man wirklich ein gut gebrautes Dampfbier in die Finger bekommt. Entstanden ist dieses Bier allerdings, wie so eine neue Erfindung häufig, aus der Not heraus.  Wir erinnern uns, dass das Weißbier einst das „gute“ Bier in bayern war, das, das sich nicht jeder leisten konnte, aber jeder wollte, ein sehr, sehr beliebtes Bier also. Blöd nur, dass im Norden Bayerns Hopfen und Weizen seinerzeit auch etwas knapp waren. Aber wie in jedem Wald gab es auch im Bayerischen Wald ein paar schlaue Füchse wie den Brauer Wolfgang Pfeffer zum Beispiel, der anstatt Weizen einfach leicht bräunliches Gerstenmalz und gaaaanz wenig Hopfen verwendeten. Vergoren wurde der Sud aber mit einer ganz klassischen, bayerischen Weißbierhefe.

Und die Gärung mit dieser obergärigen Hefe fand  bei 18-20°C dementsprechend rasch statt. Dadurch kam es schnell zu sehr viel Kohlensäure mit großen Blasen im Schaum des noch jungen Bieres. Und wenn diese Blasen zerplatzten, entstand so etwas wie Gischt – das erweckte den Eindruck eines dampfenden Bieres. Namengebung leicht gemacht. Nach der Gärung wurde das Bier dann in Holzfässen gelagert und in tiefen Felsenkellern des Baeyrischen Waldes aufbewahrt. Viele dieser Keller im Berg sind übrigens auch heute noch Betrieb, wie beispielsweise bei der Dampfbierbrauerei Zwiesel.

Eine spannende Sache noch: Zeitgleich, aber wohl unhabhängig von der deutschen Entwicklung, entstand an der Westküste Amerikas, in der Gegend in und um San Francisco,  das sogenannte Steam Beer. Besonderheit hieberi ist, dass eine Lagerhefe, eine untergärige Hefe, bei obergärigen, kalifornischen Temperaturen eben, zur Gärung antrat. Seinen Namen hat das Steam Beer der überwiegenden Meinung der Bierhistoriker daher, dass die Brauer die Heiße Würze auf Kühlschiffe auf den Dächern über der Stadt pumpten, wo die kühle Nachtluft und eine sanfte Pazifikbrise die offenen Bottiche dampfen ließ.

Dampfbier

Von wegen heiße Luft: Im Dampfbier steckt ordentlich Geschichte. (Foto: StP)

Was für ein Dampfbier charakteristisch ist

Eigentlich war es ein leicht dunkles Gerstenmalzbier, heutige Interpretationen sind eher goldfarben bis bernsteinhell. Dampfbiere sind sehr wenig gehopft und haben dadurch einen bananigen und leicht phenolischen Geschmack – also irgendwie wie ein gerstiges Weißbier. Passt also.

Dampfbier: Bierstil Guide

 Aussehen:goldgelb, bernsteinfarben
Alkohol:circa 5,1 %
Geruch:strohig, nach Getreide
Geschmack:malzaromatisch und leicht bananig,
Körper:mittlerer Körper

Beispiele für ein gutes Dampfbier:

  • der Klassiker: Dampfbier aus der Dampfbierbrauerei Zwiesel
  • die Pott-Version: Borbecker Helles Dampfbier von DAMPFE – Das Borbecker Brauhaus
  • das „andere“ Dampfbier, das Steam Beer Original: Anchor Steam Beer von Anchor Brewing