Dann eben anders

Nina Anika Klotz

Mund abwischen, weitermachen: Alexander Himburg, Gründer des Braukunstkeller aus Michelstadt, musste seine Stammbrauerei verlassen und wird nun Gypsie-Brauer. Der deutsche Mikkeller, wenn man so will. 

Ende Januar 2016 wurde bekannt, dass die BrauKunstKellerGmbH Insolvenz anmelden musste. Alexander trennte sich von seinem Geschäftspartner, der Michelstädter Brauerei, in der er bis dato alle seine Biere gebraut hatte. Er verließ den Odenwald und zog nach München.

Seitdem werden in steter Regelmäßigkeit Madarina und Amarsi-Fläschchen auf Facebook gepostet, mit Tränchen-Smiley und „Ach, wie schade…“. Zurecht? Wir haben bei Alexander Himburg nachgefragt, was denn nun wirklich gerade Phase ist, bei ihm, dem Braukunstkeller, seinen Bierideen.

Stimmt das denn? Schluss, aus, Mickey Mouse mit dem Braukunstkeller? Ende Gelände mit dem Pale Ale, dem Mandarin und dem vielgelobten Amarsi IPA?

Ich habe darüber nachgedacht, ja. Braukunstkeller und meine Selbstständigkeit komplett hinschmeißen, mich irgendwo von einer Brauerei fest anstellen lassen. Aber das war nur einmal und ganz kurz. Ich mache weiter. Was aber stimmt: Das Amarsi, so wie es war, wird es nicht mehr geben. Es wird nämlich noch viel besser!

Olala. Dann erzähl mal, wie und wo du jetzt braust. Aus der Michelstädter Brauerei bist du komplett raus, eine Weile gab es noch Biere von dort zu kaufen – dann musstest du neu brauen.

Richtig. Nachdem das in Michelstadt etwas unerfreulich und abrupt geendet ist, musste ich schauen, dass es möglichst ohne große Unterbrechungen weitergeht. Von einigen Messen und einem Collaborationsud im Frühjahr 2015 kannte ich die Hofmark Brauerei in Loifling im Bayrischen Wald. Ich wusste, dass die dort dasselbe Wasser haben wie im Odenwald, sehr weich und damit auch unbehandelt ideal für hopfenbetonte Biere wie IPAs, und ich wusste, dass die dort dieselbe Brauanlage haben wie die Michelstädter Brauerei, gleicher Hersteller, dasselbe Baujahr, nur drei Nummern größer. Damit war Hofmark die perfekte Braustätte für meine Biere.

Weil das Sudhaus einen Einfluss auf den Geschmack eines Bieres hat?

Einen enormen, ja.

Himburgs Braukunstkeller

Alexander Himburg beim Brauen – damals noch in Michelstadt. (Foto: StP)

Deshalb schmeckt das Amarsi jetzt anders.

Jeder Brauereiwechsel ist mit geschmacklichen Unterschieden beim Brauen ein und desselben Rezeptes verbunden. Es ist eine Frage des Könnens des Braumeisters, ob er es schafft, sein Rezept so zu verändern, dass es auf die neue Anlage passt. Da haben wir in Loifling einige Zeit herumprobiert. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Ich wage sogar zu behaupten, dass wir die neuen Biere in Geschmack und Qualität noch verbessert haben. Hätte ich selbst nicht für möglich gehalten, aber die neuen Chargen sind noch intensiver und deutlicher in ihren Hopfenaromen und auch der Körper klarer. Das Schöne ist: Die Kunden können das selbst probieren und vergleichen, die ersten Hofmark-Sude kommen demnächst in den Handel und haben eine komplett neue Ausstattung, neues Logo, andere Etiketten-Design.

Aber Braukunstkeller Amarsi steht schon noch drauf?

Die Biere, die in Kürze ausgeliefert werden, kommen unter dem Label Himburgs Braukunstkeller auf den Markt. In den nächsten Wochen wird sich dann zeigen, ob ich auch in Zukunft in Deutschland Biere unter dem Markennamen „Braukunstkeller“ machen kann oder ob ich juristisch zu einer Änderung des Namens gezwungen werde. Das könnte passieren. Wird der Ausgang des Insolvenzverfahrens zeigen. Fürs Ausland kann ich den Namen „Braukunstkeller“ aber eh weiter nutzen. Von daher bin ich da relativ entspannt. Allerdings will ich dazu sagen: Die Marke Braukunstkeller ist eng mit meinem Namen verbunden. Oder anders ausgedrückt: Die vielen Medaillen, die meine Biere in den vergangenen drei Jahren gewonnen haben, haben zwei Seiten. Auf der einen steht die Marke Braukunstkeller, und auf der anderen Alexander Himburg. Und wer auch immer versucht diese Verbindung zu trennen, darf sich auf den größten Shit-Storm in der Biergeschichte einstellen.

Der Claim „made in Odenwald“ ist aber passé.

In Zukunft werde ich mich wieder mehr auf die Entwicklung neuer Rezepte konzentrieren. Das Thema eigene Brauerei ist für mich erst einmal vorbei. Zum Glück! So hatte ich in den letzten Monaten überhaupt keine Zeit, mir Gedanken über neue Biere zu machen. Die eigene Brauerei bindet so ein. Für unsere wichtigsten Biere haben wir die Hofmark Brauerei als festen Partner, wo ich 75 bis 100 Hektoliter braue, die Biere vom Vormonat abfülle und verschicke. Dazwischen komme ich einmal zum Hopfenstopfen nach Loifling. Darüber hinaus werde ich mit kleineren befreundeten Brauereien Collaborations brauen und mich je nach Bierart bei ihnen einmieten.

Der deutsche Mikkeller.

Wenn man so will. Die Biere, die Alexander Himburg in Zukunft braut, werden jedenfalls weiterhin in der gewohnten Qualität erhalten bleiben.