kurz gewickelt

KURZ GEZWICKELT: Unter Freunden

Nina Anika KlotzIm Portrait

Wenn der Brauer zwickelt, dann probiert er sein junges Bier. Wenn wir zwickeln, stellen wir in aller Kürze ein paar der neusten Craft Beer Startups vor. News frisch aus dem Reifetank, so zu sagen.

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Neu und kein Stückchen schüchtern: Pirate Brew aus Berlin. (Foto: NAK)

 

Der große Vorteil daran, als Freunde, Partner, Ehepaare etwas zu gründen, ist, dass man den Geschäftspartner dann viel besser kennt als einen Geschäftspartner. Dass man weiß, wie er tickt, ihm – logisch – nahe steht.
Der große Nachteil ist das auch.

„Wenn es Konflikte gibt, sind die in einem Familienunternehmen stärker, schärfer und zerstörerischer“, sagt Professor Arist von Schlippe von der Universität Witten-Herdecke, der sich mit der Gründung des Wittener Instituts für Familienunternehmen auf die Psychologie hinter eben solchen spezialisiert hat. Ob jemand da nun blutsverwandt, verliebt oder eng befreundet ist, macht nur bedingt einen Unterschied. Im Streit zwischen zwei Unternehmern, die sich persönlich nahe stehen, sei man viel schneller „unter der Gürtellinie und im Sandkasten“, so der Experte. Läuft es aber, dann ist so eine Gründung-mit-Gspusis eine grandios gute Sache. Das kann Karin Hertrich bestätigen.

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Karin Hertrich und ihr Mann Ralph brauen jetzt Bier. (Foto: VETO)

 

Deren Geschichte geht nämlich so: Es soll Leute geben, die schaffen sich sobald die Kinder aus dem Haus sind ein Haustier an. Irgendwas putzig-kuscheliges, eine Katze, die ihnen beim Fernsehen die Füße wärmt. Oder ein Hündchen, wegen der frischen Luft beim Gassi gehen. Karin Hertrich und ihr Mann Ralph haben jetzt einen Bär. Einen Schokobär, um genau zu sein. Denn während der eine Sohn im Hamburger Craft Beer Store arbeitet und der andere bei einer Brauerei in Oberbayern angestellt ist, brauen die beiden in Franken Bier. Für sich zuhause. Oder zumindest war das bis vor Kurzem so, bis sie beschlossen, aus ihrem Hobby mehr zu machen. Sie gründeten ein kleines Bierlabel, mit dem sie „den Leuten eine kleine Feierabend-Freude“ bereiten wollen, wie sie sagen, und brauen eines ihrer besten Rezepte, das für ein dunkles, volles Stout, den „Schokobär“ eben, bei Jörg Binkert in der Nähe von Bamberg für den Verkauf. Ihre Craft Beer Marke hat Hertrich „VETO“ genannt. Das sei nicht nur ein Name, sondern Programm:“Als diese Fernsehbiere auch in Franken Einzug hielten, war die Zeit für ein kräftiges Veto gekommen!“ Mit dem Bär ist es im Ürigen noch nicht genug: Als nächstes schaffen Karin und Ralph Hertrich sich einen Tiger an. Der „Hopfentiger“ ist ein India Pale Ale und „kein Tiger von Eschnapur, sondern ein kraftvolles Exemplar mit ordentlich Hopfen und Alkohol“, sagt Hertrich.

 

Mit Pirate Brew hat ein Paar den Schritt zur gemeinschaftlichen Unternehmensgründung gewagt. Ein multilaterales Herzensprojekt ist das sogar, wenn man so will: Die Spanierin Cristina Saez und der Schwede Andreas Håkansson brauen schon seit geraumer Zeit in ihrem Berliner Zuhause. Für sich, für Freunde, ganz vereinzelt mal für ein Event. 2016 wollen sie das Ganze nun auf ein neues Level heben und mache ein richtiges Unternehmen aus ihrem Hobby. Pirate Brew ging mit einem Chilli Porter an den Start, das die beiden bei Hops und Barley gebraut hatten. Mehr solche Gypsie Brewing Abenteuer sollen folgen. Demnächst wollen die beiden ihr Bier auf der Braukunst Live! präsentieren.

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Klassenprimus: Felix Ungerer (Foto: Braurevolution)

 

Felix Ungerer schloss vor 2014 seine Lehre als Brauer und Mälzer als Landesbester ab. Der beste Jungbrauer Baden-Württembergs! Das hätte er wohl als Trumpf in der Gehaltsverhandlung mit der Großbrauerei auf den Tisch knallen können. Tat er aber nicht. Stattdessen beschloss er mit seinem Brauer- und Mälzerkollegen und guten Freund Marc Schmidt, gegen das Brauestablishment der Gegend um Stuttgart und die Schwäbische Alp zu revoltieren und gründete „Braurevolution“ – die erste Craft Beer Brauerei in Notzingen bei Kirchheim unter Teck. Sie brauen dort unter anderem ein „schwäbisches Stout“. Was daran zu schwäbisch ist? „Wir mögen es beide nicht, dass ein Stout so lahm im Glas liegt wie zum Beispiel der Klassiker Guinness. Daher enthält unser Stout CO2 , was dem Ganzen eine ganz eigene Spritzigkeit gibt“, erklärt Marc. „Zudem verwenden wir kein Farbebier oder Malzextrakt um die tiefschwarze Farbe zu erhalten, sondern Röstmalz.“ Kommt bestens an – so gut, dass das schwäbische Stout inzwischen ausverkauft ist und erst im November 2016 wieder zu haben sein wird. Bis dahin muss man sich eben mit etwa mit der „Revolte“ einem dunklen Hefeweizen trösten. 

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Revolutionär auf der Alp: Marc Schmidt. (Foto: Braurevolution)