THE MASH PIT: Das neue Bier-Gefühl

Clarissa Omiecienski

Alleine Heimbrauen ist vielleicht schlau (mehr Bier für mich!), aber nicht schön. So wie es sich zusammen besser trinkt, maischt und kocht und füllt es sich gemeinsam auch irgendwie netter.  Tim Hauke und Christian Gläser haben sich deshalb etwas zum Rudelbrauen ausgedacht: The Mash Pit, eine Art Coworking Space für Hobbybrauer im Norden Berlins

Eigentlich sind Christian Gläser und Tim Hauke auf einer Missionen, einer Friedensmission. Sie treten an, den Haussegen sämtlicher Berliner und Brandenburger Hobbybrauerhaushalte wieder ins rechte Lot zu rutschen, denn zwischen all den Kochtöpfen und Gäreimern auf Balkon, Kellertreppe und im Wohnzimmer kann der schon mal kippen. „Schatz, ich kann gar nicht schlafen, was brummelt da eigentlich die ganz Zeit so komisch in unserer Abstellkammer?“ – „Ach, das ist nur die Hefe.“ Und so weiter.

Und außerdem: Eine ordentliche und saubere Gärführung ist natürlich zu Hause auch nicht so leicht zu erreichen, wenn die eigenen Kinder und Haustiere über die Würze stolpern… Aber, ach, Rettung naht: Mit The Mash Pit sollen all diese Probleme in Zukunft gelöst sein. Hallelujah, ihr Heimbrauer nah und fern!

Ihr seid zu zweit: Selber ausgebildete Brauer?

Chrisian: Nein wir sind keine ausgebildeten Brauer, haben aber eigene und langjährige Erfahrung als Hobbybrauer. Das Thema kommt tatsächlich immer auf, wir werden immer wieder gefragt,  ob wir die entsprechenden Qualifikationen haben. Auch jetzt im Zuge unserer Finanzierung. Ich kann nur dazu sagen, dass es die Craft Beer Bewegung nicht ohne die Hobbybraubewegung gäbe. Die hat ja alles erst angestoßen, weil die Leute einfach keine Lust mehr auf Einheitsbier hatten. Und da sind dann super Sachen bei rausgekommen. Ich glaube das ist egal, das kümmert niemanden, ob man Brauwesen studiert hat oder nicht.

Tim: Ich denke das wandelt sich – wir haben sogar bei der Bank, die ja ein eher konservatives Unternehmen in Deutschland ist, eine ganz komfortable Finanzierung hinbekommen. Da merkt man schon, dass sich die Mentalität verändert hat und ein bisschen mehr dem Zeitgeist heutzutage entspricht. Das sieht man ja auch beispielsweise an den ganzen Tech-StartUps, wie viele Leute da programmieren können, ohne je eine Uni von innen gesehen zu haben.

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Ein Blick in die noch unfertige Brauhalle. (Foto: CO)

Wie seid ihr auf die Idee gekommen the Mash Pit zu gründen? Selber aus der Not heraus, keinen geeigneten Ort zum Brauen zu haben?

Christian: Ja auf jeden Fall. Tatsächlich ist das Heimbrauen immer mit großem Aufwand verbunden und auch von der technischen Ausrüstung her sehr platzraubend. Eine ernsthafte Gärführung ist zu Hause also fast nicht möglich. Primäre Beweggründe waren somit vor allem der Platzmangel, Temperaturkontrolle, Hygiene und der Familienfrieden. Gerade das Thema Platz wird in Berlin immer aktueller – die Wohnungen werden immer kleiner und die Mieten immer teurer.

Tim: Der Austausch von Wissen ist ebenfalls ein wirklich wichtiger Punkt für uns. Bei Mash Pit kann man zusammen ausprobieren und aus Fehlern lernen und sich so auch professionalisieren. Da bieten wir die Möglichkeit 200 Liter unter den hygienischen und amtlichen Voraussetzungen zu brauen, sodass die Brauer/innen ihr Bier auch verkaufen könnten. Später planen wir, ein größeres Sudhaus mit 10 Hektolitern einzubauen. Damit wollen wir gerade den vielen Berliner Kuckucksbrauern und semi-Profis die Möglichkeit bieten, bei uns zu brauen, d.h. das ist auch für diejenigen gedacht, die sich nach einiger Zeit bei uns weiter professionalisieren wollen.

Ihr macht ja selber auch Bier? Seit wann?

Christian: Wir haben uns auf der Berlin Beer Week 2016 kennengelernt und im Moment gibt es ein IPA  von uns – das Cloud 9, das mittlerweile auch schon seit einem Jahr in Berliner Bars erhältlich ist, u.a. bei BRLO, Hopfenreich, LagerLager, protokoll und HOME und in Flaschen bei Biererei und Getränkefeinkost.

Tim: Die Idee mit Mash Pit spukt schon länger in unseren Köpfen herum und dann haben wir uns sozusagen gefunden und unsere Kräfte vereint.

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Bald ein schöner Ort zum Brauen? (Foto: CO)

Wann ist eure Eröffnung geplant?

Christian: Im Moment ist ja alles noch im Rohzustand. Jeder sagt etwas anderes zu den Bauanträgen: Deren Architekten, unsere Architekten. Natürlich können wir erst anfangen, wenn alles genehmigt ist. Die Sache läuft auf jeden Fall, wir sind aktiv dabei.

Tim: Ich kann uns da allerdings nicht vor Spätherbst drinnen sehen, für 2018 ist die Eröffnung jedoch definitv geplant. Nebenbei müssen wir ja auch noch arbeiten und unseren Lebensunterhalt verdienen, deswegen geht das alles ein bisschen langsamer.

Wie plant ihr das logistisch zu machen? Wie stellt ihr euch den Ablauf des kompletten Brauvorgangs vor?

Christian: Die ganze Vorbereitung soll online ablaufen. Du buchst einen Brauslot über unsere Website und gibst an, was du an Zutaten brauchst. Das einzige, was du dann noch mit zu the Mash Pit mitbringen musst, ist dein Rezept und saubere Klamotten. Wir werden Neuglas für die Abfüllung anbieten und die Endreinigung des Equipments wird dann ebenfalls von uns vorgenommen. Natürlich muss man rechtzeitig buchen, aber eigentlich hat man nur Vorteile gegenüber dem Brauen daheim.

Tim: Wir hoffen schnell zu expandieren, um dann das räumliche Limit für unseren Standort in Wilhelmsruh/ Reinickendorf mit 10 Brau-Stationen anzubieten. Für den Beginn sind 6 geplant. Braukurse, spezielle Kurse zu verschiedenen Themen und  Workshops wollen wir natürlich auch anbieten. Da liegt auf jeden Fall noch eine Menge Arbeit vor uns.

Abfüllen wird man bei uns in Flaschen können – circa 50l in 1,5 Stunden sollten machbar sein. Wir bemühen uns, auch eine Abfüllung in kleine Kegs anzubieten, da haben wir ein paar Ideen – das müssen wir noch sehen. Ein kleiner Ausschank ist auf jeden Fall auch geplant, wo das selbstgebraute on Tap gehen kann. Der Brauer wird dafür selbstverständlich auch bezahlt, vor allem ist das eine super Möglichkeit, Feedback von einem größeren Publikum zu kriegen. Ein wichtiger Schritt ist nämlich vor allem das öffentlich-machen des eigenen Bieres, gerade weil Bier ja irgendwie auch so ein soziales Medium ist. Deswegen planen wir ja, dass man bei Mash Pit mit insgesamt fünf Leuten braut und sich eine Mitgliedschaft teilt.

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Hier auf der Rückseite wird der Ausschank sein, ein paar Tische draußen sind auch geplant. (Foto: CO)

Können Hobbybrauer sich einzeln einmieten? Oder gibt es eine Mitgliedschaft? 

Tim: Ein Bier hat im Durchschnitt einen Durchlauf von 2 Wochen. Deswegen wird es eh auf eine Monatsmitgliedschaft hinauslaufen. Das werden keine Knebelverträge sein – man kann also auf jeden Fall auch nur für einen Monat Mitglied werden. Administrativ ist das sonst ein Riesenaufwand.

Und wie sieht es mit euren eigenen Bierbrauplänen aus? Rücken die eventuell erstmal in den Hintergrund?

Cristian: Nein. Wir wollen die geplante 10 Hektoliteranlage natürlich auch für unser eigenes Bier benutzen. Außerdem ist ja unser Taproom total geeignet, um eben unser Bier auch direkt vor Ort auszuschenken und so auch den Berliner Markt zu bedienen.

(Aufmacherbild: Tim Hauke und Christian Gläser von The Mash Pit (Foto:TMP))

Auf einen Blick

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