Was ist Craft Beer?


Craft wie Handwerk. Und Beer wie Bier. Handwerklich gebrautes Bier also.
Eigentlich. Würde man Craft Beer einfach übersetzen.

Allerdings ist es mit einer wörtlichen Übersetzung nicht getan. In den USA gibt es eine feste Definition des Begriffs, in allen anderen Ländern nicht. In Deutschland wird der Begriff Craft Beer diffus gebraucht, gelegentlich missbraucht und alle Nase lang überstrapaziert.
Es geht bei Craft Beer immer irgendwie um Unabhängigkeit. Von Konzernen, von großen Brauereien. Es geht um Unterscheidbarkeit und Geschmacksvielfalt, um ungewöhnliche Braustile, besondere, manchmal lang vergessene Rezepturen. Es geht darum, kein beliebiges Massenprodukt zu sein, sondern Bier, das von Menschen und nicht Maschinen, von Hand und Herzen und nicht einfach nur, um Gewinn zu machen, gebraut wird.

Ja, manchmal ist „craft“ nichts als Marketinggewäsch. Und für manche ist Craft Beer der Hipsterdrinks, das Trend-Dings.
Doch damit wird man dem Produkt Craft Beer nicht gerecht.

Craft Beer im Glas

Craft Beer Definition


Für uns bei Hopfenhelden müssen mindestens vier der folgenden fünf Kriterien zutreffen, damit ein Brauer für uns ein Craft Beer Brauer und damit auch ein Hopfenheld sein kann:

Craft Beer zeigt Gesicht
Craft Beer zeichnet sich dadurch aus, dass der Konsument wissen kann, wer es gebraut hat. Es gibt einen Brauer, einen Braumeister oder auch ein ganzes Team, das mit seinem Gesicht für das Produkt steht. Dafür ist ein großes Maß an Transparenz nötig, bei Produkt, Herstellung und Motivation. Der Konsument muss z.B. nachvollziehen können, wie und wo sein Bier gebraut wurde.

Craft Beer ist unabhängig
Craft Beer Brauer sind Unternehmer, sie kämpfen für ihre Sache. Das müssen sie, weil sie von Craft Beer leben. So ist das, wenn man ein Start-Up gründet. Oder wenn man eine (konzern)unabhängige Brauerei führt, bei der das Geld nicht aus der Steckdose (also der Holding oder dem Verkauf des ewiggleichen Cashcow-Bier des Hauses) kommt.

Craft Beer ist kreativ
Nicht Mainstream, nicht 08/15: Craft Beer Brauer sind kreativ und experimentierfreudig. Sie brauen nicht nur die zwei, drei gängigen Bierstile, die sich am besten verkaufen, unverändert und immer schon, sondern sie wagen sich an ungewöhnliche Biere und sind bereit mit außergewöhnlichen Suden anzuecken. Es geht also bei Craft Beer um Kreativität, Vielfältigkeit und Abwechslung.

Craft Beer ist Handwerk
Es ist so wie mit dem Brot vom Bäcker und dem aus dem Aufbackautomaten im Discounter: Craft Beer ist insofern ein Handwerksprodukt, als dass hier auf bestimme Zutaten, Hilfsmittel und Techniken im Brauprozess verzichtet werden (wie Extrakte, PVPP etc.), die in der Industrie gängig sind, weil Bierbrauen damit schneller und billiger wird. Craft Beer setzt auf natürliche Zutaten und (bis zu einem gewissen Grad) – auf Handwerk.

Craft Beer schmeckt
Am Ende geht es – völlig subjektiv – um Geschmack. Biere eines Craft Brewers müssen schmecken. Nicht alle jedem, klar. Aber es müssen qualitativ hochwertige Biere sein.

Die Geschichte des Craft Beer


In den vergangenen fünf Jahren kam die Idee von Craft Beer auch in Europa an. Erst in England, dann in Skandinavien, in Italien, Spanien – und schließlich auch in Deutschland.

Mit Fritz Wülfing von Ale Mania (aka Fritz Ales), Thorsten Schoppe von Schoppe Bräu, Alexander Himburg (Braukunstkeller), Oliver Wesseloh von der Kreativbrauerei Kehrwieder oder Thomas Wachno (Hopfenstopfer) gingen die ersten Craft Beer Brauer auch hierzulande an den Start. 2012 fand mit der BraukunstLive in München die erste Craft Beer Messe statt, die ersten Bars nahmen Craft Beer in ihr Angebot auf, Craft Beer Shops entstanden.

Seitdem wächst die deutsche Craft Beer Szene beständig. Und es macht ja auch Sinn: Craft Beer passt perfekt zu einer neuen Foodkultur, wie wir sie in Deutschland entstehen sehen, in der es um Qualität statt Quantität geht, um Nähe zwischen Produzent und Verbraucher, um Natürlichkeit, Transparenz, ein bisschen mehr Herz und weniger Profit.
Craft Beer ist gekommen um zu bleiben.

Craft Beer in Deutschland


Angefangen hat alles in den USA der 1970er. Als Biertrinker da die Wahl hatten zwischen Coors, Miller und Anheuser-Busch. Im Grunde hatten sie also gar keine Wahl, sondern nur mittelschlechte, kaum unterscheidbare Industriebiere vor sich. Deswegen fingen sie an, selbst zu brauen. Aus den besten „homebrewers“ wurden „microbreweries“, die ihre Biere in der Gegend verkauften und aus einem Hobby für brave, amerikanische Familienväter wurde der größte Umbruch der Getränkeindustrie seit der Prohibition – die Craft Beer Revolution.

Mit der Whole-Foods-besser-Esser-Hipster-Ära erlebte Craft Beer einen zweiten, gigantischen Boost. Samuel Adams, Sierra Nevada, Stone Brewing Company, Lagunitas und Brooklyn Brewery produzieren heute immense Mengen und verkaufen weltweit statt nur im Pub um die Ecke.
2015 zählten die USA mehr als 4000 Brauereien – und der größte Teil davon ist nach der Jahrtausendwende gegründet worden. Jedes zehnte in den USA getrunkene Bier ist gemäß der Definition der Brewers Association ein ein Craft Beer. In Dollar gemessen macht Craft Beer 14 Prozent des Gesamtumsatzes mit Bier in den USA aus.

Nina Anika Klotz

Was ist Hopfenhelden?


Das Glas Bier in der Hand ist nur das Happy End. Das eigentlich Spannende passiert davor: Wer hat dieses Bier gemacht? Wie? Und warum?

Das sind die Geschichten, die wir auf Hopfenhelden, Deutschlands erstem Craft Beer Magazin, erzählen.
Es geht um die Menschen hinter der Craft Beer Revolution, um ihre Ideen, ihre Inspirationen.
Und genauso geht es um das Produkt, um das fertige Bier, verschiedene Bierstile, aber auch um Rohstoffe, den Produktionsprozess und die alles entscheidende Frage: Wo gibt es Craft Beer?

Neben den Artikeln in unserem Magazin erscheint monatlich der Hopfenhelden-Newsletter, voll mit Craft Beer Events, Verkostungen, Messen, Parties, Festivals.
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