gründer brlo

Dnn ml Prst!

Nina Anika Klotz

Vor allem ist BRLO das Craft Beer, das keiner aussprechen kann. Das hübsche Craft Beer, das keiner aussprechen kann. Und genau so hatten sich die Macher Katharina Kurz, Christian Laase und Michael Lembke das auch gedacht, als sie in Berlin ihr Craft-Beer-Start-Up gründeten.

Eigentlich klingt Brlo wie eine App. Vielleicht aus dem Bereich Quantified Self. Das ist doch gerade sehr hip. Oder Internet of Things. Auch so was zum Heizung vom Handy aus einschalten? Was mit kaltem Wasser? Also quasi: „Brrrrr, l’eau!“ Oder was ganz anderes könnte es natürlich auch sein.
Jedenfalls klingt Brlo nach Internet. Webseite. Oder so. Wie Flickr. Oder Tumblr. Alles Namen mit vielen Konsonanten und einem verlorenen E.
Bestimmt ist Brlo also etwas, das sich Leute mit grauen Strickmützen ausgedacht haben, die den ganzen Tag im Café Oberholz in ihre Macbooks hacken und Flat Whites schlürfen. So eine Start-Up-Dingens aus Berlin halt.
Könnte man meinen.

Irgendwie stimmt das auch, und irgendwie auch nicht: Tatsächlich ist Brlo ein Berliner Start-Up, wenn man so will. Aber kein so ein klassisches Generation-iPhone-sind-wir-nicht-alle-ein-bisschen-Gründer-Start-Up. Brlo produziert keine Digitalinhalte (oder gar nur heiße Luft) – sondern Brlo macht Bier. Handfestes Craft Beer, „handcrafted with Berlin love“, wie es auf dem Etikett so schön heißt.

Etiketten Brlo

So sieht das aus, wenn ein Parfum-Flacon-Designer Craft Beer Etiketten macht: hübsch. (Foto: StP)

„Ist vielleicht ein bisschen kitschig“, sagt Katharina Kurz und lacht laut. Bisschen schön ist es aber schon auch. So wie überhaupt das ganze Brlo-Etikett durch seinen ziemlich hohen Hübsch-Faktor auffällt. Premiumpapier, Prägung, Design vom Profi (also Design-Profi, nicht Bier-Profi: Unter den Entwürfen von drei Grafikern setzte sich der des Hamburger Parfum-Flacon-Desigers Lutz Herrmann durch, der einfach auch mal Bock hatte, etwas anders als immer nur Eau de Toilette Fläschchen zu gestalten.) Kurz: in die Gestaltung der Brlo-Lables ist einiges an Zeit und Mühe geflossen. Sie und ihre Mitstreiter seien eben alle ein bisschen ästhetisch veranlagt, sagt Katharina. „Und außerdem war mir es wichtig, dass unser Bier nicht so jungsig ausschaut.“ Tut es nicht, mit der Craft-Beer-Love in Form dreier Gerstenherzchen und einem Berliner Bärchen im Logo. „Den wollten wir erst auf gar keinen Fall, aber als er dann da war, fanden wir ihn doch ganz gut.“

Katharina hat Bier mitgebracht

Ein Wintervormittag in Berlin. In einem Coffeeshop, wo jeden Morgen eine Menge Start-Up-Leutchen ihren Kaffee holen, sitzt Katharina Kurz. Dr. Katharina Kurz, so viel Zeit muss sein. So Anfang Dreißig, blond und ausgeschlafen, könnte sie gut und gern eine der „normalen“ Start-Upper hier sein. Aber dann winkt sie und ruft zur Begrüßung: „Ich hab‘ Bier mitgebracht!“

Helles brlo

Shining bright: Das Helle von Brlo. Bewusst als Einsteigerbier gewählt, sagen die Gründer. (Foto: StP)

Wenn Dr. Katharina Kurz erzählt, wie sie eigentlich Craft-Beer-Gründerin wurde, muss sie immer wieder lachen. Manchmal klingt das Lachen fast ein bisschen ungläubig. So nach „krass, ich mache jetzt echt… Bier!“. Ist ja auch erstaunlich, denn eigentlich hat Katharina Kurz BWL studiert. Mag sein, dass der eine oder andere Vorbehalten hat, wenn jemand mit einem Wirtschaftsstudium eine neue Karriere als Craft Beer Macher anfängt. Und ja, ganz ab und zu manchmal hat sie das vielleicht auch schon zu spüren bekommen, sagt die eigentlich ganz forsch-fröhliche Fränkin ein kleines bisschen zögerlich. Sie überlegt kurz, holt Luft und sagt dann: „Aber um Craft Beer in Deutschland weiter voran zu bringen, braucht es verschiedenen Profile und verschiedene Ansatzpunkte. Es braucht genauso den Pionier, der das seit zehn Jahren macht, wie auch die, die es vielleicht noch einmal ganz anders angehen. Das bereichert die ganze Szene doch nur.“ Und noch mal Luft geholt: „Die Frage ist doch, will man, dass das Ganze klein und insidermäßig bleibt, oder will man irgendwann in das nette Restaurant an der Ecke gehen und aus einer soliden, bunten Craft Beer Karte auswählen können?“

So schaut es nämlich aus. Oder besser: So schaut es eben noch nicht aus in Deutschland und Katharina Kurz will daran etwas ändern. Nicht allein, sondern im Dreier-Team aus ihr, Christian Laase und Michael Lembke. Aber nachdem Katharina diejenige ist, die Craft Beer als erste in Vollzeit betrieb, während Michael noch bis Anfang des Jahren als Wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitete und Christian immer noch in einem mehr oder weniger regulären „Day-Job“ steckt, sitzt sie an diesem Morgen allein im Café und spricht im Namen aller. Wobei das Unternehmen auch auf ihrer Idee fußt: Sie war 2013 während eines Australienurlaubs im Liquor Store vor einem Bierregal gestanden und konnte sich nicht entscheiden. Weil alle Biere irgendwie so geil waren. „In Deutschland kann ich mich im Supermarkt auch oft nicht entscheiden“, sagt sie, „aber eher, weil alle Biere so langweilig und emotionslos sind.“

BRLO Gründer

Die wollen nicht nur spielen, sondern auch gutes Bier brauen. (Foto: BRLO)

Der Lebenslauf der Brlo Gründerin? Bis vor Kurzem noch unverdächtig.

Erst einmal wurde Craft Beer da für Katharina eine „fixe Idee für ein Nebenprojekt“. Nach ihrem Studium an der European-Business-School war sie Trainee bei einem großen Medienunternehmen, arbeitete schwerpunktmäßig im Bereich E-Commerce und Onlinemarketing. Dann promovierte sie über den deutschen Kunstmarkt. Nichts deutete auf eine Karriere im Bier-Business hin. Eher vielleicht darauf, dass Katharina irgendwie in der Berliner Start-Up-Szene landen würde. Nach Berlin wollte sie nach Auslandsstationen in Indien und Frankreich nämlich unbedingt.

Als sie aber nach ihrer Promotion auf Jobsuche war und diverse Angebote im Bereich Digitales, Marketing, E-Commerce sichtete, spürte sie plötzlich, dass sie nichts spürte. Irgendwie… nein, Danke. Viel cooler wäre es doch, mit Craft Beer in Deutschland zu starten. „Damals hatte ich noch nicht kapiert, dass es hier schon so losgegangen war.“ Wieder lacht sie. Und ganz im Ernst erklärt sie: „Wenn man in der Craft Beer Szene steckt, sieht man es vielleicht nicht mehr so. Aber: Von außen gesehen ist es noch nicht so leicht, den Zugang zu diesem Thema zu finden.“ Sie muss auch immer noch  „gefühlt drei Mal am Tag erklären, was Craft Beer eigentlich ist“.

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Und hier wieder: Michael Lembke von BRLO erklärt auf der Berliner „Eat&Style“, was Craft Beer eigentlich ist. (Foto: StP)

Gemeinsam mit ihrem Studienfreund Christian Laase, einem echten (und echt erfolgreichen) Berliner Start-Up-Gründer mit lang gehegter Bierliebe, fing sie an einem feuchtfröhlichen Bier-Abend an, Pläne für eine eigene Craft Beer Marke zu schmieden, zusammen stiefelten sie kurz darauf einfach mal an der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei vorbei und suchte nach dem für ihr Vorhaben noch fehlenden Mann vom Fach, die „Brauerseele“, wie Katahrina sagt. Sie fanden Michael Lembke, Ende Zwanzig, aus Mecklenburg, ausgebildeter Brauer und Mälzer, zehn Jahre Erfahrung am Kessel, gerade mit seinem Studium durch und hochbegeistert, bei Katharinas und Christians Craft-Beer-Start-Up mitzumachen. Es folgen diverse Testsude und lange Verkostungsnächte, harte Diskussionen über bevorzugte Bierstiele und schließlich die Entscheidung, mit einem Hellen (als Einsteigerbier) und einem Pale Ale (doppelt gehopft mit Cascade, Centennial, Citra, Saphir und Willamette) zu starten, bald soll ein Baltic Porter dazu kommen.

Und dann gaben sie ihrem Projekt, ihrem Craft-Beer-Start-Up, auch noch seinen Namen: Brlo. Echt jetzt? Brlo? „Wir wollten eine Marke haben, die in Berlin verwurzelt ist, das aber nicht ganz so offensichtlich.“ Tatsächlich ist Brlo ein altslawisches Wort, bedeutet Sumpf und ist Ursprung des Wortes Berlin (Berlin, die Pfütze. Frei übersetzt.) „ Es ist ein Name mit Liebe auf den zweiten Blick“, so die Gründerin.

BRLO Craft Beer

Eins kommt zum anderen: Die beiden Start-BRLOs warten auf das dritte BRLO, ein Baltic Porter. (Foto: StP)

„Viele haben gesagt: Ihr seid ja total verrückt, das so zu nennen, das kann doch kein Mensch aussprechen. Aber das Gute daran ist, dass dieser Name überhaupt nicht irgendwie besetzt ist, den können wir ganz allein emotional aufladen.“ Niemand verbindet mit Brlo gute oder schlechte Erinnerungen. Und: „Man spricht halt darüber. Wenn wir das Bier sind, das keiner aussprechen kann, dann ist es auch gut.“ Gerade gut!  Denn dann hat’s irgendwie geklappt, dann bleibt Brlo im Kopf, als das Craft Beer mit dem komischen Namen.

Aber wie spricht man es denn nun richtig aus? „Berlo“, sagt die Gründerin und grinst. Wie Berlin halt. Nur ein bisschen mehr oho.

 

 

Auf einen Blick

BRLO – Craft Beer aus Berlin

Dr. Katharina Kurz, Michael Lembke, Christian Laase, Berlin
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BRLO Website
Wo gibt’s das Bier?

Bekannteste Biere:

  • BRLO – Helles
  • BRLO – Pale Ale
  • BRLO – Baltic Porter
  • BRLO – Berliner Weisse

Hopfenhelden’s Choice:

  • BRLO – Berliner Weisse