Bier-Wein-Hybriden

BIER-WEIN-HYBRID: Was ist das?

Dominik Diefenbach

Ob Bier auf Wein oder Wein auf Bier ist völlig Wurscht: Wein UND Bier ist ein höchst spannenden Faszinosum. Man spricht von Bier-Wein-Hybriden.

Die Idee mag geeky klingen und so, als wäre das etwas was für den fortgeschrittenen Craft Beertrinker. Dabei sind die Ergebnisse oft erfrischend lockere, supertrinkbare Produkte, die gerade Noch-nicht-Crafter abholen. Oder Weintrinkern den Weg auf die Bierseite weisen.

Was sind Bier-Wein-Hybriden?

Zuallererst sind Bier-Wein-Hybriden Biere. Sie werden gebraut wie Biere: einmaischen, Würze kochen, ausschlagen. Dann erst kommt der Hybrid-Teil: Zur abgekühlten Würze kommt im Gärtank ein ordentlicher Teil Most. Traubensaft, wenn man so will. Damit ist die Hefe bedient: Sie wandelt nicht nur Zucker aus der Maische sondern auch den aus den Trauben in Alkohol um.

Wobei: Das ist nur eine Art, Bier-Wein-Hybriden zu machen. Es gibt auch andere, verrückte Sachen. Mal kommen angematschte Trauben mit in den Tank, mal fertiger Wein.

Bier-Wein-Hybriden

Dominink Diefenbach im Aphorenkeller des Weingut am Stein (Foto: D.Diefenbach)

Seit wann haben Bier und Wein etwas miteinander zu tun?

Sam Caligone von Dogfish Head war einer der ersten US-Craft Brauer, der einen Bier-Wein-Hybriden berühmt gemacht hat, „Midas Touch“ hieß der. Angeblich die Rekonstruktion wunderlicher alkoholischer Getränke, die im vermeintlichen Grab von König Midas in der Türkei gefunden wurden waren. Nun ja. Fakt: Midas Touch, eine Mischung aus Bier, Wein und Met mit Muskateller, Honig und Safran, war in der US-Beerszene ein Erfolg. Dogfish Head braut mittlerweile vier verschiedene Bier-Wein-Hybriden.

Tatsächlich sind Bier und Wein in der Craft Beer Szene, wenn man so darüber nachdenkt, auch gar nicht so Spinne Feind:

  • Beim Barrel Aging auch mal ein paar Biere in ausgediente Weinfässer zu packen, ist fast schon ein No-Brainer
  • Biere mit Weinhefen zu vergären, kommt durchaus vor
  • Und mit Champagnerhefen gemachte Biere bilden sogar einen ganz eigenen Bierstil

Der Hybrid made in Germany

In Deutschland hat sich nun eine junge, fränkische Winzervereinigung des Themas angenommen und mit „SuperleichtesHelles“ einen superleichten, hellen Bier-Wein-Hybriden auf den Markt gebracht. Der erste Sud, gerade mal 1.000 Flaschen, ist schon so gut wie weg. Aber jetzt zur Weinlese soll es einen zweiten geben, mit frisch gepresstem Müller-Thurgau Most. Dipl. Oenologe Dominik Diefenbach vom Weingut am Stein in Würzburg erklärt das wundersame Mischwesen.

Bier-Wein-Hybriden

Dipl. Oenologe Dominik Diefenbach vom Weingut am Stein in Würzburg. (Foto: D.Diefenbach)

Und, Dominik, wie schmeckt’s?

Dominik Diefenbach: Wie riecht’s vielleicht zuerst einmal: Ich finde, das SuperleichteHelle hat eine ganz tolle Grundaromatik. Da hat man Aprikose und Trockenmango und einen ganzen Exotikfruchtcocktail in der Nase. Der ist dem Müller-Thurgau geschuldet.

Echt? Ich dachte immer eher, Müller-Thurgau ist, naja, solala halt.

Denken viele, stimmt aber nicht. Müller-Thurgau ist eine der meist unterschätzten Rebsorten überhaupt. Es gibt viele moderne Müller-Thurgau-Weine, die an Sauvignon Blanc erinnern. Das zeigt, was man aus dieser Rebsorte machen kann, wenn man sie technisch ideal behandelt. Und außerdem ist der Müller-Thurgau neben dem Silvaner die Leitrebsorte hier in Franken.

Und wie kamst du darauf, die ins Bier zu mischen?

Ich habe auf der Swartland Revolution, einem recht avantgardistischen Wein-Festival in Südafrika, meinen ersten Bier-Wein-Hybriden getrunken, den haben die da in den Verkostungspausen zu Pulled Pork serviert. Ich war begeistert, wie leicht, straff und resch das war.
Ehrlich gesagt ist das nämlich etwas, was mich bis dahin immer an Craft Bieren gestört hat: Viele sind so schwer, cremig und alkoholisch, das nimmt ihnen Trinkfreude, Saftigkeit und Frische. Säure kompaktiert und verschlankt den Geschmackseindruck. Also dachte ich, ein Bier mit einer fruchtiges Säureader vom Wein wäre perfekt.

Wie habt ihr das Bier dann gebraut?

Ich habe zusammen mit Bastian Kiemer und Erik Löschner vom Albertshöfer Sternbräu ein recht dünne Würze gebraut mit relativ neutralen Malzen und eine ganz schwachen Hopfung. Das war wichtig, weil sonst die Fruchtsäure vom Müller-Thurgau keine Chance gehabt hätte durchzuscheinen. Das kennt man beim Wein auch, wenn da zu viele Phenole, also Gerbstoffe, drin sind, hat die Frucht es schwer. Dieses Bier sollte auf maximalen Frucht- und Frischeeindruck ausgelegt sein. Nachdem die Würze runtergekühlt war, kam eine ebenfalls recht neutrale Pale Ale Hefe rein und 20 Prozent Most. Und ich bin nicht ganz sicher, ob das überhaupt erlaubt war.

Wegen Reinheitsgebot und so?

Hm.

Wir verraten nichts. Wie ging’s dann weiter?

Wir haben den Bier-Wein-Hybriden relativ kühl über drei Wochen hin vergoren und mit Citra und Cascade gestopft. Und dann war’s sofort ein Volltreffer.

Sind Wein und Craft Beer also ein Match made in Heaven?

Für mich schon, andere Winzer sehen das anders: Es gibt da ein paar, die mit großer Sorge auf die aktuellen Entwicklungen im Bierbereich schauen und fürchten, Craft Beer könnte ihnen Kunden wegnehmen, gerade die jungen. Weil’s doch mit etwas mehr Sexiness daherkommt.

Bier-Wein-Hybriden

Das SuperleichteHelle in Aktion (Foto:PR)