EINBAR BRAUEREI: „Es geht um Bildung!“

Tobias KullmannInterviews

Noch schöner als Döner? Bier aus der Dönerbude. Der ehemaligen Dönerbude. Genau das machen die drei Amerikano-Berliner Robyn Lively, Sam Derby und Arnold Beirith: Sie brauen in Moabit ihr Einbar-Bier

Treffen sich drei Amerikaner in einer Bar. Raus kommt Einbar.

Witzig? Geht so, Ok. Aber wahr! Robyn aus Seattle, Sam aus San Francisco und Arnold aus Los Angeles trafen sich vor drei Jahren in einer Prenzlberger Bar und beschlossen eine Brauerei namens Einbar zu gründen. Wobei: Nicht direkt und auch nicht gleich Einbar. Eigentlich sollte ihr Brauprojekt Lost Anchor heißen. Aber dann bekamen sie garstige Post aus Japan.

Erzählt mal, wie seid ihr denn Brauer geworden?

Sam: Naja, im Grunde bin ja ich der Brauer. Ich habe vor neun Jahren in meiner Küche in den Staaten damit angefangen und mache das nun seit fast vier Jahren professionell. Ich bin für ein Studium an der VLB nach Berlin gekommen – und traf dann eben diese beiden.

Und ganz American-Dream-mäßig habt ihr dann „einfach so“ beschlossen, die Einbar Brauerei zu starten.

Sam: Erst einmal schon. Wir haben alles verkauft, was wir hatten, und haben unsere volle Aufmerksamkeit der Brauerei gewidmet. Die hieß Lost Anchor Brewing.

Robyn: Als wir Lost Anchor Brewing gründeten haben wir natürlich ganz deutsch unsere Sorgfaltspflicht erfüllt, wir haben eine Marke angemeldet und gingen da durch den ganzen Prozess.

Sam: Und trotzdem kamen ein paar Wochen später ein paar Briefe, die sehr offiziell aussahen und die uns darauf hinwiesen, dass die Markenrechte bereits vergeben sind und wir doch bitte unseren Namen ändern sollen. Er gehöre einem viel größeren Unternehmen.

Wem denn?

Arnold: Naja, die Post kam von den Anwälten des Sapporo Holding Group aus Japan. (Sapporo aus Japan ist seit Sommer 2017 im Besitz der Marke Anchor Steam Brewing aus San Francisco, eine der ältesten Craft Beer Brauereien der USA, Anm. d.Red.) Und diese Anwälte gelten als mit die besten der USA.

Sam: Wir entschieden uns also, da es immer noch sehr früh in unserer Unternehmensgeschichte war, den Namen zu Einbar zu ändern. Der Name kam uns irgendwie in den Sinn und ergab auch Sinn als wir uns zusammensetzten. Es ist gut, da wir nun alle wirklich zufrieden sind mit unserem neuen Namen.

Arnold: Dieser Entscheidungsprozess gab uns auch Zeit uns durch die anderen Berliner Biere zu probieren und zu erkennen, dass es hier Potential gibt, um zu wachsen.

Sam: Genau. Das ist auch irgendwie die Richtung aus der der Name Einbar kommt. Wir wollen die Stange neu ansetzen, die Latte höher setzen, wie man auf Deutsch vielleicht auch sagen könnte.

einbar brauerei

Ziemlich schick – das Logo von Einbar (Foto: EB)

Das ist eine gute Brücke. Einbar, „raise the bar“ für… was geau? Was ist Eure Mission?

Robyn: Für mehr Gemeinschaft und Community Gedanken unter Brauereien.

Sam: Berlin mangelt es ein wenig an dem Gemeinschaftsgedanken in der Craft Bier Gemeinde.

Arnold: Hier ist ein kleines bisschen zu sehr der Rivalitätsgedanke vorhanden.

Sam: In den USA ist es schon anders. Eine Brauerei oder ein Brauereibesitzer geht z.B. in eine andere Brauerei und wird dort mit offenen Armen empfangen. Alle Fragen werden beantwortet und nichts wird verheimlicht, keine Wände gegen die man läuft. Die Leute wollen miteinander kollaborieren und voneinander in der Gemeinschaft lernen.

Wo braut Ihr?

Alle (im Chor): Moabit, Moabit. Alt-Moabit.

Sam: Wir haben vor einem Jahr eine kleine Location in Moabit kriegen können.

Robyn: Es ist ein altes Döner Restaurant.

Sam: Jetzt haben wir es aber nach unseren Wünschen eingerichtet.

Klingt vermutlich einfacher als es war?

Arnold: Klar, es gibt ziemlich viele Auflagen von der Stadt und wir hatten ja nur unser geplantes Budget. Zum Beispiel mussten wir  – Achtung, krasses, deutsches Wort – lebensmittelverarbeitungstechnische Vorgaben erfüllen, zwei Meter hohe Fliesen, ausreichend Ventilation und feuerfeste Türen usw.

Sam: Aber wir wollten unbedingt unsere eigene Brauerei. Wir wollten sie nicht irgendwie 50/50 teilen, sondern sie sollte 100 Prozent unser eigener Besitz sein. Es ist uns wichtig, Kontrolle über den Prozess zu haben.

Robyn: Der nächste Schritt ist ein Taphouse. Wir wollen ein Taproom in unserer Brauerei.

Sam: Die Idee dabei ist es, auch andere Berliner Brauereien an den Hahn zu nehmen. Es soll ein lokaler Ort sein, wo Leute arbeiten, die wissen was sie ausschenken und wie sie die Produkte präsentieren. Damit der Konsument ein neues Wissen erhält.

Alle: Bildung ist da das große Thema. Es geht uns wirklich um die Bildungsarbeit für die Menschen hier und das Thema Bier.

Mit was braut Ihr da jetzt?

Sam: Es ist eine acht Hektoliter Anlage aus italienischem Stahl mit deutschen Elektroelementen. Mit acht Hektolitern können wir sechs Hektoliter mit High Gravity Verfahren brauen (Brauverfahren, bei dem eine Würze von hoher Ausschlagkonzentration (z.B. ein Starkbier) eingebraut wird und diese Würze dann im weiteren Produktionsprozess mit Brauwasser (i.d.R. karbonisiert) auf die endgültige Stammwürze (z.B. Vollbier) herunter verdünnt wird). Viele Berliner Brauereien benutzen dieses Verfahren. Unserer Fermentierungstanks sind alle kühlbar und ausgestattet für das Brauen von Ale- und auch Lagerbieren.

Und was braut Ihr?

Robyn: Zu unseren aktuellen Bieren gehören das Vienna Lager und das Kentucky Common. Mit diesen beiden Bieren wollen wir zeigen, dass man auch mehr als nur ein bis zwei sogenannte „Craft“ Biere trinken kann. Das ist klassisches Easy Drinking, weil sie nicht ganz so alkoholhaltig sind.

Sam: In den ersten sechs Monaten haben wir viele solche Biere gemacht. Zum Beispiel auch ein gesalzenes Anisbier.

Arnold: Schwarzer Lakritz sozusagen.

Sam: Oder auch ein Pfeffer-Salbei-Saison.

Arnold: Wir wollen die Zutaten auch so lokal wie möglich halten.

Sam: Wir wollen eventuell mit einem lokalen Limonadenhersteller zusammenarbeiten und ein Radler für die Sommersaison brauen.

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Mit Herzblut gebraut. (Foto: EB)