Die FAQs der HOBBYBRAUER

Ferdinand Laudage

Eigentlich ist es gar nicht schwer, sein eigenes Bier zu brauen. Und eigentlich kann gar nicht viel schief gehen. Eigentlich! Der Biersommelier und Hobbybrauer Ferdinand Laudage, Autor des Buches „Craft Beer einfach selber brauen“ gibt hier schnelle Hobbybrauer Hilfe

Wie lange ist mein Bier haltbar?

Ein genaues Haltbarkeitsdatum für selbstgebrautes Bier kann ich aufgrund der Vielzahl von beeinflussenden Faktoren nicht angeben. Meistens stellt sich diese Frage sowieso nicht, weil selbstgebrautes Bier eh viel zu schnell ausgetrunken ist. Wenn du immer sauber gearbeitet hast und dein Bier einen Alkoholgehalt von mindestens 5 % hat, dann kannst du bei kühler und dunkler Lagerung davon ausgehen, dass es 3 bis 6 Monate gut trinkbar ist. Je mehr Alkohol dein Bier hat, desto länger wirst du daran Freude haben. Ab einem Alkoholgehalt von 8 % kannst du das Bier auch wie einen guten Rotwein behandeln und im Keller reifen lassen. Gerade bei dunklen malzaromatischen Biersorten ist dieses Experiment zu empfehlen. Sollte trotz allem einmal eine Flasche Selbstgebrautes ungenießbar sein, dann kippe den Inhalt einfach weg. Und mache dir keine Sorgen zum Thema Haltbarkeit: In Bier können sich keine gesundheitsgefährdenden Keime bilden.

[Hier ein aufschlussreicher Artikel über die Haltbarkeit und Lagerung von Bier allgemein, Anm. d. Red.]

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Hilfe, mein Bier schäum über! (Foto: StP)

Warum schäumt mein Bier über?

Wenn du zu viel Zucker für die Nachgärung verwendet hast, kann es passieren, dass zu viel Schaum beim Einschenken entsteht. Wenn der Schaum dir bereits nach dem Öffnen der Flasche entgegenkommt, spricht man von Gushing. Dieses Phänomen ist noch nicht komplett erforscht. Es geht häufiger einher mit einer Infektion des Bieres. Wenn dein Bier also sauer schmeckt, können Milch- oder Essigsäurebakterien der Grund sein.

Warum hat mein Bier kaum Schaum?

Wenn ein Bier kaum Schaum aufweisen kann oder dieser im Glas schnell zusammenfällt, kann das mehrere Gründe haben. Die trivialste Begründung: Das Glas ist nicht richtig gespült worden. Möglicherweise liegt ein Fettfilm auf dem Glas. Es kann aber auch daran liegen, dass das Bier zu wenig Kohlensäure hat.

Warum hat mein Bier kaum Kohlensäure?

Bei zu geringer Kohlensäure im fertigen Bier ist es äußerst wahrscheinlich, dass die Nachgärung nicht korrekt durchgeführt wurde. In dem Fall solltest du die Flaschen alle noch einmal aus der Kühlung holen und für eine Woche in einem warmen Raum platzieren.

Warum schmeckt mein Bier stark nach Hefe?

Wenn dein Bier stark nach Hefe schmeckt, dann ist es noch zu jung. In diesem Fall solltest du es noch ein paar Wochen kühl lagern. Mit der Zeit wird sich der hefige Geschmack verabschieden. Dann kannst du dein Bier ausgereift genießen.

Warum schmeckt mein Bier sauer?

Milch- oder Essigsäurebakterien haben sich über dein Bier hergemacht. Vermutlich, weil du bei den letzten Schritten nicht sauber genug gearbeitet hast. Das Schlimme ist, dass du den sauren Geschmack jetzt nicht mehr rausbekommst. Das Gute könnte aber sein, dass das Bier mit einer sauren Note auch ganz lecker schmeckt. Gesundheitliche Bedenken musst du nicht haben, wenn du es noch trinken möchtest.

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Zum Maischen braucht es geschrotetes Malz. Was, wenn ich versehntlich ungeschrotetes bestellt habe? Happens? (Foto: NAK)

Ich habe versehentlich ungeschrotetes Malz gekauft. Kann ich es auch mit einer Kaffeemühle mahlen?

Kaffeemühlen mahlen in der Regel zu fein. Manche Küchenmaschinen können dir in dieser Situation weiterhelfen. Das Malzkorn darf nur aufgebrochen und grob zerkleinert werden. Wird es zu Mehl, ist ein Läutern unmöglich. Achte also unbedingt darauf, dass du geschrotetes Malz kaufst.
Wenn du regelmäßig braust, empfiehlt sich die Anschaffung einer eigenen Schrotmühle. Günstige Modelle bekommt man bereits für 50 Euro. Ansonsten kannst du auch im Hobbybrauerforum erfragen, ob in deiner Nähe eventuell ein hilfsbereiter Heimbrauer mit Schrotmöglichkeit wohnt.

Ich bin dieses Wochenende nicht zum Brauen gekommen. Wie lange kann ich die Zutaten noch verwenden?

Geschrotetes Malz kannst du auch nach 4 bis 6 Wochen noch problemlos verwenden. Vorausgesetzt, du lagerst es kühl und trocken. Bei ungeschrotetem Malz sind es sogar 2 Jahre unter diesen Lagerbedingungen kein Problem.
Die Hefe hat ein Haltbarkeitsdatum. Leg sie einfach in den Kühlschrank.
Den Hopfen solltest du einfrieren. Dann ist er bedenkenlos ein Jahr haltbar. Wichtig ist lediglich, dass er nicht mit Sauerstoff in Kontakt kommt. Dann riecht er stark käsig.

Es sind 2 Tage vergangen und die Gärung lässt immer noch auf sich warten. Was nun?

Wenn dein Gärröhrchen auch nach 2 Tagen noch nicht blubbert, kann es sein, dass es schlichtweg zu kalt für die Hefe ist. Suche ein wärmeres Plätzchen für deinen Gärbottich oder dreh einfach die Heizung auf. Dann dürfte die Gärung bald starten.

 

Der Artikel ist ein Auszug aus dem Buch „Craft Beer einfach selber brauen“ von Ferdinand Laudage (Ulmer Verlag, 2017, 128 S., 15,90)

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