Hopper Bräu

HOPPER BRÄU: Ex und Hopper

Nina Anika Klotz

Lars Großkurth wollte was mit Craft Beer machen und gründete einen Beer Store. Weil ihm das aber nicht genug war, legte er mit einer Brauerei in Hamburg nach. Für Hopper Bräu holte er Sascha Bruns an Bord – einen echten Craft-Native

 

Sie werde so schnell groß!

Sascha Bruns ist einer der, wenn nicht sogar überhaupt der erste Zweite-Generation-Craft-Beer-Brauer Deutschlands. Nachwuchs eines Craft-Pioniers, grown and raised in Craft Beer, sozusagen: Bruns ist bei keinem geringeren als Thorsten Schoppe von Schoppe Bräu in die Lehre gegangen und hat jetzt, nach über zwei Jahren Ausbildung, eine eigene Craft Brauerei gestartet.

Kam nur Craft Beer in Frage

„Ich kann ja nichts anderes als Craft Beer“, sagt er und schaut ganz unschuldig. Insofern habe er sich nie die Frage stellen müssen: Lasse ich mich von der Industrie anstellen, verdiene gutes Geld und habe 30 Urlaubstage im Jahr oder mache ich lieber Craft Beer. Das harte Brot, für wenig Geld, zumindest anfangs, und ohne all die große-Firmen-Annehmlichkeiten.

Hopper Bräu

Alle Hoppers auf einem Haufen in der Rindermarkthalle Hamburg. (Foto: StP)

 

Nachdem die Gefahr, sich in einer Großbrauerei früher oder später vor dem Rechner sitzend zu finden, groß ist, hätte Sascha das für sich ohnehin ausgeschlossen. Schließlich hat er damals ja bei Thorsten Schoppe angefangen, dem Mann, dessen Slogan „Hopfen, Malz und Muskelschmalz“ ist, weil er davon mehr wollte. Mehr Muskelschmalz als Tastentippen. (Und weil der Computer bei der Agentur für Arbeit ihm das vorgeschlagen hat. Als Sascha Br- für Brenner eingegben hatte, weil es eigentlich ein Praktikum als Destillateur machen wollte, kam da Br-auer. Und Sascha dachte sich: Auch cool.)

Erste Berufswahl: Schiffsbauer

Das mit dem Muskelschmalz hatte bei seiner ersten Berufsausbildung nicht geklappt: Mit romantischen – und wie sich herausstellte falschen – Vorstellungen studierte der junge Mann aus Bremen Schiffsbau. Da denkt man so an lange Bretter hobeln und Planken zusammenhämmern – aber dann: „Am Ende habe ich mich vor dem Rechner wiedergefunden und auf CAD Scheißerohre durch Containerschiffe verlegt. Und das war’s nicht“, sagt Sascha Bruns und zapft ein Bier. Das ist nämlich noch ehrliches Handwerk. Zapfen. Kann er gut und macht er gern.

Hopper Bräu

Ehrliches Handwerk: Bier zapfen. (Foto: NAK)

 

Es ist kurz vor Mittag in der Rindermarkthalle auf St. Pauli in Hamburg. Früher war hier mal ein Real drin, groß, billig, hässlich. Jetzt haben sie versucht, der Halle Marktflair einzuhauchen. Aldi und Edeka sind zwar auch hier, aber in der Mitte stehen Foodstände an denen es Pastagerichte und Brötchen gibt. Und seit bald einem halben Jahr gibt es hier auch frisch gezapftes Craft Beer von Hopper Bräu. Der Hamburger Oberbürgermeister Olaf Scholz hat hier schon mal ein Bier getrunken und Pete Doherty auch. Mehrere, vermutlich. Auf Ex.

Hopper Bräu

Probierschlücke sind sogar umsonst. (Foto: StP)

 

Am Hahn ist alles, was Hopper Bräu bis dato zu bieten hat: „Heller Wahnsinn“, ein – richtig vermutet – Helles, „tschechisch inspiriert“, sagt der Brauer Bruns, „zugänglich, aber trotzdem mit einem ‚Moment mal‘-Effekt.“ Davon könne man auch fünf am Abend trinken, versichert er. Mindestens! Daneben der „Amerikanische Traum“, ein klassisches, amerikanisches IPA. Und „Dunkle Macht“, ein tiefnachtschwarzes Stout. „Das ist ganz nach meiner Schnauze gebraut“, sagte Sascha Bruns, und wenn er nicht so nordisch wäre, klänge er wahrscheinlich ein bisschen stolz dabei. Aber Sascha ist Bremer, was er in Hamburg nur im Flüsterton verrät, vorsichtshalber. Bremer sind nicht so offensiv stolz. Dazu steht auf dem Tresen dann noch eine der limitieren Flaschen des „Salonsozialist“, ein mit Champagnerhefe vergorener Weizenbock, den Bruns in der Berliner Bierfabrik gebraut hat.

Was sagt denn sein Lehrmeister Schoppe zu seinen Bieren? „Hm“, überlegt Bruns. „ Also der Thorsten sagt ja generell nicht so viel. Wenn da ein ‚ja, is‘ ganz gut‘ kommt, ist das schon ein großes Lob.“

Hopper Bräu

Hopper kommt – natürlich – von Hops, übrigens. (Foto: StP)

 

Jetzt fragt man sich natürlich, wie der das macht. Wie gründet so ein gerade mit der Ausbildung fertig gewordener Jung-Brauer einfach so eine Brauerei, macht vier Biere und platziert sich mir einer Art offenem Taproom zwischen Schanze und Karoviertel? Das kann Lars Großkurth am besten erklären, der zweite Teil von Hopper Bräu.

Diese Säcke aus der Bierindustrie!

Der Betriebswirt hat Jahre lang im Marketing des Zigarettenhersteller Reemtsma (u.a. Gauloises, West, Ernte 23) gearbeitet, oberes Management. Dann hat er sich ein Jahr Elternzeit gegönnt. Wenn man das in so einer Position macht, erzählt er, ganz unmanagermäßig in Kapuzenpulli und Turnschuhen zwischen Kegs und Flaschen am Hopper Bräu Stand in der Rindermarkthalle, dann eher, um danach nicht wieder auf dem gleichen Posten zu landen. Und während er mit einem Camping-Bus und der Familie 2014 durch Europa tourte wurde ihm dann auch klar, was er stattdessen machen wollte: Gutes, kreatives Bier. Craft Beer. So, wie sie das in allen Ländern um uns herum überall hatten. „Ich hatte lange kein Bier mehr getrunken, weil ich es langweilig und schnöde fand. Und dann kam mir mein erstes Punk IPA unter die Nase und ich dachte: Wow, und diese Säcke aus der Bierindustrie haben mir das die letzten 15 Jahre vorenthalten!“

Hopper Bräu

Hopper Bräu ist im Regal leicht an den ungewöhnlichen Flaschen zu erkennen. (Foto: StP)

 

Zurück in Deutschland gründet Großkurth zunächst das Bierlieb, einen Craft Beer Shop in Berlin-Friedrichshain. „Die Idee war das zu skalieren und mehrere Spezialitätenläden in verschiedenen Städten zu machen“, erzählt er. Aber dann sei er in Portland, Oregon, gewesen. Eine Stadt mit mehr als 60 Brauereien – und gerade mal zwei Beerstores. Die Portlander kaufen ihr Craft Beer in den Supermärkten, die alle eine schwindelerregend große Bierauswahl haben. „Da ist mir klar geworden, dass ein Store, wenn sich das Thema Craft Beer weiterentwickelt, keinen Sinn macht. Wenn das Thema breit wird, ist es am besten, man braut Bier.“

Drei, zwo, eins – Hopper Bräu

Fehlte nur noch ein Brauer. Sascha kannte er von Tastings und Braukursen im Bierlieb. Nach drei eher knappen Telefonaten (Nummer Eins: „Hey Sascha, kannst du dir vorstellen nach Hamburg zu ziehen?“  – „Ja.“ Nummer Zwei: „Hey Sascha, traust du dir zu, selbst eine Brauerei zu führen?“ – „Ja.“ Und Nummer Drei: „Hey Sascha, Bock mit mir in Hamburg eine Brauerei zu gründen?“) seien sie sich einig gewesen, erzählen Bruns und Großkurth einstimmig.

Hopper Bräu

Die Zapfanlage bietet Raum zu Erweiterung des Sortiments (Foto: StP)

 

So wird Sascha Bruns auf einen Schlag vom Azubi zum Headbrewer. Spannende Kiste sei das hier bei Hopper Bräu sagt er, und lehrreich: Bei Thorsten Schoppe habe er gelernt, wie man Bier braut. Und – die wichtigste Lektion von Schoppe Bräu, wie er sagt – dass man furchtlos dabei sein sollte. Ruhig auch mal die nicht-einfache Biere machen! Dass diese Biere dann auch getrunken wurden, also von Kunden, echten, zahlenden Kunden, das sei bei Schoppe irgendwie immer einfach so passiert. Von Großkurth lerne er jetzt, dass man gutes Bier auch gut verkaufen muss, sagt Bruns.

Eigene Hopper Bräu Brauerei in greifbarer Nähe

Noch brauen sie in der Brauerei Carl Betz in Celle, ab Sommer dann soll die eigene Brauerei in Hamburg-Bahrenfeld soweit sein. Anders als geplant wird das eine Produktionsbrauerei, kein Brewpub. Dabei wollten sie den eigentlich unbedingt. ursprünglich kommt der Name Hopper Bräu gar von der Idee, ein Braugasthaus zu machen. Weil das so gute klingt, sagt Großkurth, „Wir gehen ins Hopper“. Nun ja, aber die Möglichkeit, die Riverkasematten direkt an der Elbe zu übernehmen, hat sich zerschlagen. Flexibel bleiben, umdenken. Dann eben erstmal eine ordentliche Menge an Bier brauen. Für ihre Brauerei hat Großkurth eine Million veranschlagt, verschiedene Investoren sind an Bord und gecrowdfunden wird auch gerade bia Startnext. War das alles nicht bequemer in der cheffingen Position beim Zigarettenkonzern? Nein, sagt Großkurth. „Ich hatte da keinen gemütlichen Nine-to-Five-Job sondern stand immer unter Volldampft. Das ist heute auch noch so, aber es gibt viel größere Momente.“ Als er die ersten Flaschen Hopper Bräu in einem Edeka-Regal stehen sah, habe er sofort Tränen in den Augen gehabt. „In  meinem Job vorher habe ich jedes Jahr sechs, sieben neue Produkte gelauncht, aber emotional war das nie so die Sensation.“

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Zum Heulen schön. Findet der Gründer Lars Großkurth. (Foto: Stp)

 

Auf einen Blick

Hopper Bräu

Lars Großkurth, Sascha Bruns
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Bekannteste Biere:

  • Heller Wahnsinn (Lager)
  • Amerikanischer Traum (IPA)
  • Dunkle Macht (Porter)

Hopfenhelden's Choice:

  • Amerikanischer Traum