BREW AGE: Jura, Kreide, Hopfenpellets

Claudia DoyleIm Portrait

Vor drei Jahren haben die Macher von Brew Age damit angefangen, den österreichischen Craft-Bier-Markt durchzuschütteln. Alles, was sie dafür brauchten: ein Vulkan, ein Affenkostüm und richtig gutes Bier.

Brew Age lässt sich auf zwei verschiedene Weisen aussprechen. Entweder zusammengeschlurrt als ein einziges Wort mit Betonung auf der ersten Silbe, also quasi Brúhedsch. Dann bedeutet es so viel wie „etwas Gebrautes“. Oder aber man behandelt beide Silben eigenständig, und sagt eher so Bruh-Ähdsch. Dann ist die Rede vom Brauzeitalter. Dem neuen Brauzeitalter, das Anfang 2014 in Wien begonnen hat.

Brew Age Craft Beer

Ein schöner, lebensbejahender Slogan: Zeit für gutes Bier. (Foto: StP)

Naja, oder vielleicht hat es auch ein klein wenig eher begonnen. Aber die vier Jungs hinter Brew Age wollen zumindest ein gewichtiger Teil davon sein. Daher zunächst die Vorstellungsrunde. Vorhang auf für: Braumeister Johannes Kugler, der sich nicht scheut, Walnüsse, Bananen und Holunderblüten in den Sud zu werfen. Die Brüder Thomas und Michael Mauer, die dafür sorgen, dass das Bier an den Mann und auf den Markt kommt. Sowie Raphael Schröer, der die Finanzen im Blick behält.

Brew Age

Das halbe Team: Thomas Mauer und Johannes Kugler. (Foto: ClD)

Wien also. Bier in Wien. Klar, in Wien bekam man auch schon vor 2014 ziemlich viel ziemlich ordentliches Bier. Gefühlt hat jede Straße ihre Gasthausbrauerei, die eigenes Bier braut. „Aber da bekommt man dann ein Märzen oder ein Dunkles und dazu einen Schweinebraten“, sagt Johannes. Sehr traditionell, wenig innovativ.

Der Anfang von Brew Age? Vor Urzeiten, eigentlich

Brew Age will anders sein und die Vorbereitungen dazu begannen schon im Jahr 2006. Damals kurvte Johannes als Zivildienstleistender einen Sanitätswagen durchs Weinland Niederösterreich. Schicht täglich von 6 Uhr bis 14 Uhr. Die Nachmittage blieben frei. Johannes begann zu brauen. Das Elternhaus von Johannes Kugler im beschaulichen 600-Einwohner-Ort Hauskirchen verwandelte sich nach und nach in eine Hobbybrauerei. Bald belagerte er mit seiner Ausrüstung den ganzen Keller. „Mein Vater war begeistert“, sagt Johannes. „Meine Mutter nicht so.“

Eines nachts stand Johannes bei seinem Freund Thomas vor dem Fenster und winkte mit einer Flasche Selbstgebrautem.
„Er hat mich verführt“, sagt Thomas, „es war echt gutes Bier.“
„Es war trinkbar“, sagt Johannes.
Also vermutlich lag es irgendwo dazwischen. Fortan treffen sich die beiden jeden Samstag zum Brauen. Zur Not auch öfter. Wenn Freunde mal ein Fass brauchen. Das brauchen sie ziemlich oft.

Brew Age Affenkönig

Bester Affe im Stall: Der Affenkönig, ein Imperial IPA (Foto: ClD)

Skeptisch ist zunächst noch Thomas‘ Bruder Michael. Ein Weintrinker, wie es sich für Niederösterreich gehört. Aber als er zum ersten Mal am Holunderblütenbier Garten Eden nippt, ist seine Reaktion entwaffnend ehrlich: „Das könnt unmöglich ihr gebraut haben!“ Haben sie aber doch. Und ziemlich früh überlegen sie, ob sie nicht vielleicht eine eigene Brauerei gründen sollten. Sollten sie? Sollten sie nicht? „Sollte man nicht“, sagt Thomas. „Da muss man gar nicht viel rechnen, da reicht, ich sag mal, Zinsrechnung 1. Semester, da merkst du schon, dass das nicht geht.“

Eigene Brauerei? Nein danke.

Wer als aufsteigender Brauer eine eigene Brauerei braut, der hat die Wahl zwischen einem von zwei Problemen: Entweder ist die Anlag am Anfang viel zu groß und wird nie und nimmer ausgelastet. Oder nach einem Jahr ist sie bereits zu klein. „Zum Glück haben wir uns damals dagegen entschieden.“ Außerdem, fanden sie, fehlte ihnen noch ein bisschen Fachwissen. Also studierte Johannes Brauwesen in Weihenstephan, Thomas leistete ihm Gesellschaft. Manchmal im Hörsaal, immer öfter aber auf den Partys. Aber man braucht ja nur einen Brauer pro Brauerei. Und natürlich, wie könnte man das vergessen, einen Namen. Der hat ihnen ganz schön Kopfzerbrechen bereitet.

„Alle intelligenten Wortspiele sind schon weg“, erklärt Johannes. Kombinationen mit Brew-, Brau-, Bräu-, Hops- und Hopf-  sind ziemlich abgegrast. Nach satten neun Monaten meditativem Nachdenkens und intensiver Recherche stand er dann fest: Brew Age. Das Logo ziert ein bierspeiender Vulkan, der furchterregend scheint, aber nur Gutes über die Bierwelt bringen soll. Denn so ist das ja auch mit den echten Vulkanen. Sie brechen aus, überströmen mit todbringender Lava das Land und dann erwächst aus der Asche etwas Neues, etwas Besseres, etwas noch nie Dagewesenes. Parallelen zur Welt der Brauereien sind durchaus erwünscht.

Brew Age

Auch der Affe will keinem was Böses. Vermutlich. Vielleicht. Hoffentlich. Auch nachts. (Foto: Brew Age)

Aller Anfang ist Klinkenputzen

2014 dann der erste Sud in der Brauerei Gusswerk bei Salzburg. Jungunternehmertum mit allem was dazu gehört. Lange Tage beim Flaschenabfüllen, kurze Nächte auf der Couch in der Brauerei. Die Biere heißen Dunkle Materie (Black IPA), Hopfenauflauf (Pale Ale) oder Affenkönig (Imperial IPA). Und mit dem Affenkönig kommt dann auch das Affenkönigkostüm. So ein bisschen Marketing ist ja immer gut. Denn das Bier musste jetzt in die Läden, die Bars und an die Zapfhähne. Das ist schwieriger als gedacht, denn dort hängt ja meistens schon was. Also Klinkenputzen, Bier vorstelle, und eine Absage nach der nächsten kassieren. Endlich im Dezember 2016 nehmen gleich drei Wiener Bars den Hopfenauflauf vom Fass ins Programm – also fix, für immer. Immer ein Hahn mit BrewAge. „Wir haben geguckt wie Kinder unterm Weihnachtsbaum“, lacht Thomas.

Auch die Biersommeliers sind von den Bieren begeistert. Im April 2016 gewinnt Brew Age dreimal Gold und einmal Silber bei den „Concours International de Lyon“. Damit sind sie, die Debütanten, die meistprämierte Brauerei.

Und jetzt im Jahr drei nach der Betriebsgründung scheint der Gedanke mit der eigenen Brauerei nicht mehr ganz so unvernünftig. Mit angeschlossenem Brewpub natürlich. Wiener aufgepasst! Wenn ihr demnächst einen Affen seht, fragt ihn nach dem Weg zum guten Bier.