craft beer gründer

Kurz gezwickelt: Mit’m Radl da

Nina Anika Klotz

Wenn der Brauer zwickelt, dann probiert er sein junges Bier. Wenn wir zwickeln, stellen wir in aller Kürze ein paar der neusten Craft Beer Startups vor. News frisch aus dem Reifetank, so zu sagen.

Craft Beer gründer

San mit’m Radl da: Die Biere aus dem Niederrhein mit dem schönen Namen „Klapperfiets“. (Foto: NAK)

 

Ein kleines Stückchen Bierkulturgeschichte zur Bereicherung der Gespräch am Biergartentisch bei Sonnenschein und Jazz-Frühschoppen: Das Radler.
An einem besonders sonnigen Juni-Samstag 1922 erfand – so die Legende, deren Wahrheitsgehalt umstritten ist, aber Wurscht – der Wirt Franz Xaver Kugler von der Kugler Alm in Oberhaching das Radler. Aus der Not heraus. An diesem Tag waren nämlich so viele Münchner zu ihm geradelt, dass ihm das Bier ausging. Beinahe. Also streckte er die Maßen halt mit Limo. Ab der dritten merkt’s eh keiner. So die eine, die der-Kugler-war-a-Hundling-Variante der Geschichte. Die andere heißt „Kugler, der Menschenfreund“ und besagt, dass der Kugler den Leuten Limo ins Bier geschüttet hat, weil er nicht wollte, dass sie sich sternhagelvoll auf dem Nachhauseweg alle totradeln.

(Dazu, zu dieser zweiten Variante, gibt es eine weitere interessante Bier-Misch-Getränk-Erzählung, in der mit Limo gegen die geistige Vernebelung gekämpft wurde, und weil auch die ganz biertischsmalltalktauglich ist, hier bitteschön: der Russ‘.
Der Russ bzw. die Russen Maß entstand zur Zeit der Münchner Räterepublik um 1918/19 im Mathäser-Keller, wo traditionell die Revolutionäre um Kurt Eisner tagten, die Kommunisten – alles „Russen“ halt, im Münchner Volksmund. Weil es bei diesen politischen Sitzungen in den Bierhallen seinerzeit erst arg schlimm zuging, wenn alle besoffen waren, und dann recht zäh, wenn sie müde unterm Tisch lagen, mischte der Wirt den Gästen Zitronenlimo ins Weißbier. Sonst wird das ja nichts mit der sozialistischen Revolution.)

 

Klappern gehört zum Nebengeschäft: Klapperfiets

Wobei wir nun doch abgekommen sind, beim Thema Radler wollten wir bleiben. Radeln, viel mehr. Früher wie heute die gern mit Bier Trinken verbundene Fortbewegungsart. In München und überall sonst, am Niederrhein zum Beispiel. „Zum geselligen Abend mit Freunden am Rhein, in der Kneipe oder auf der Party fährt man ja nicht mit dem Rennrad oder dem 2000-€-Mountainbike, sondern mit der Klapperfiets“, sagt Lutz Reinhart van Gülpen, 36. Klapperfiets ist der niederrheinische Ausdruck für ein schrottiges Fahrrad. „Halt ein Fahrrad, aus dem Holländische auch Fiets genannt, das klappert.“ Und genau so heißt auch Reinharts Bier, das er gemeinsam mit Robert Peil, 35, unter Tele-Anleitung des gemeinsamen Freundes David Krings, einem Exil-Niederrheiner, der mittlerweile Amoy Bräu, eine Craft Beer Brauerei in China betreibt, gebraut hat. Eigentlich ist Robert Maschinenbauingenieur und entwickelt Öfen für die Industrie und Lutz betreibt in der 6. Generation eine Rösterei für Spezialitätenkaffee in Emmerich.

Emmerich, das ist nur fünf Minuten von der holländischen Grenze entfernt. Eigentlich klar, wo die beiden Nebenberufsbrauer ihre Bier-Inspiration herbekommen. Und tatsächlich, sagt Lutz, seien sie totale Wit-Fans. Dennoch haben sie sich erst einmal – ganz klassisch – für ein IPA als Einstieg ins Craft-Brewer-Dasein entschieden.  Das „Klapperfiets IPA“ haben sie bei Walter Bräu in Wesel auf einer 2-Hektoliter-Anlage gebraut, im Moment beliefern sie vier Kneipen in der Umgebung und werden mit dem nächsten Sud in den regionalen Einzelhandel gehen. Die Leute vor Ort nehmen das neue Bier gut an: „Der Niederrhein hat traditionell eine sehr ausgeprägte Bierkultur. Je mehr es Richtung Düsseldorf geht desto obergäriger wird es“, sagt Lutz. Und dennoch dominieren noch, wie überall, die Standard-Industriebiere – bis jetzt. „Der Niederrheiner an sich ist die etwas schwermütige Variante des Rheinländers. Aber genau wie die Rheinländer würde ich die Niederrheiner als weltoffen und gesellig bezeichnen.“ Und aufgeschlossen für neues, besseres Bier eben auch.

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Klingt nach Speisekarte und ganz guter Kombo: Yankee&Kraut alias Max Senner und Bryan France. (Foto: Yankee&Kraut)

Bavaramerikanisches Brau-Duo: Yankee&Kraut

Der Bayer hingegen ist die bayerische Variante des Bayern – unvergleichlich, ganz und gar mia san mia und in Sachen „neue Biere“ nur schwer zu überzeugen. Max Senner, 27, Wirtschaftsinformatiker aus Ingolstadt, ist auch so einer. „Ich komme väterlicherseits aus einer alten bayrischen Wirtefamilie, war jahrelang auf die einheimischen Produkte fokussiert“, drückt er das ganz vornehm aus. Aber dann ließ er sich von seinem Kumpel Bryan France doch eines besseren belehren.

Bryan France, 33, kommt – man rät’s bei dem Namen ja schon – aus den USA, genauer aus Reno, Nevada. Dort hat er Biologie studiert und wie ein Wilder zu hause gebraut. Jetzt studiert er in Freising Brauereiwesen. Vor ziemlich genau zwei Jahren, beschlossen Bryan und Max, zusammen zu brauen. Das war der Anfang von Yankee & Kraut.

„Wir brauen aktuell im Brauhaus Binkert in Breitengüßbach und zwar zwei Sorten: Hopulenz, ein India Pale Lager mit 7,5%, ca 50 IBUs und einer Riesenmenge Cascade und Saphir und unser Eden Pale Ale mit 5,5 Prozent und ca. 20 IBUs, ebenfalls ordentlich gestopft mit Cascade und Comet“, erzählt Max Senner. Und was ihm außerdem noch wichtig ist zu erwähnen: Alle Aromahopfen stammen aus deutschem Anbau und das Hopulenz hat in einem Wettbewerb der Studierenden in Weihenstephan das Finale der besten Drei erreicht.

Craft Beer Gründer

Zwei von drei: Marcel Siewa und Mario Marinoff sind zusammen mit Matthias Brocke eine von Berlins neusten Craft Breweries (Foto: Brewer’s Tribute)

 

Brewmtown Berlin: Brewer’s Tribute

Marzahn – of all places! – wird mehr und mehr zu Berlins Craft Beer Town. Little Bayreuth, oder so. Auf dem Gelände der Alten Börse siedelt sich nun also die dritte Brauerei an. Neben der Berliner Bierfabrik und dem neuen Sudhaus von Hops&Barley sind die drei Jungs von Brewer’s Tribute gerade dabei, den Boden und die Linienentwässerung ihrer eigenen Brauerei zu verlegen. Selbst. Im Sommer soll hier dann gebraut werden.

Eigentlich sind die drei Hobbyfließenleger allesamt Brauer, Marcel Siewa und Matthias Brocke sind Diplom Braumeister, Mario Marinoff ist Biotechnologe mit Schwerpunkt Brauwesen. Matthias und Marcel haben gemeinsam ihr Diplom an der TU Berlin gemacht und sich bei einem Praktikum bei Michael Schwab, dem Brewbaker, kennengelernt. Gleich zu Beginn fahren die drei beachtlich acht Sorten Bier auf – die alle heißen, was sie sind. Das India Pale Ale heißt India Pale Ale, das Amber Ale Amber Ale, Stout Stout …- you get the picture. „Unsere Biere sollen mit dem, was Sie sind überzeugen, und nicht nur wegen des verrückten Namens gekauft werden“, sagt Marcel. „Häufig werden auch ungewollte Aromen mit einem ‚crazy‘ Namen schön geredet und manchmal haben wir einfach das Gefühl, dass es häufig nur noch um den Namen geht und kaum noch um das eigentliche Bier.“

Brewer’s Tribute wird sich und seine werdende Brauerei bei einem Beer&Burger-Event im Rahmen der Berlin Beer Week der bierinterssierten Öffentlichkeit vorstellen. Man kann nach Mahrzahn mit dem Radl fahren. Dann muss man sich dort aber Limo ins Craft Beer schütten. Besser also, man nimmt die S-Bahn.

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